Anders Denken - Unser Gehirn verhält sich wie ein Elefant mit Reiter

24.04.2017 16:04

Anders Denken - Unser Gehirn verhält sich wie ein Elefant mit Reiter

Anders denken ist leichter gesagt als getan. Woran liegt das eigentlich? Offenbar in der Natur der Sache! Gerardo Aulinger, Referent im Umfeld der Verbesserungskata nach dem Vorbild Toyotas, bringt es mit seiner Analogie zu Elefant und Reiter auf den Punk

Unser Gehirn verhält sich wie ein Elefant mit Reiter

 

Unser Gehirn teilt sich in zwei Bereiche auf: Der hintere, größere Bereich koordiniert als "schneller, leistungsfähiger Rechner" die Routineaufgaben, die zum Teil unbewusstausgeführt werden können. Der vordere, kleinere Teil unseres Gehirns ist für die Kreativität, das neu zu Erlernende und daher auch für das Anders denken zuständig. Der "Rechner" ist nicht so schnell, hat dafür aber mehr freien "Arbeitsspeicher". Deshalb muss beispielsweise ein neues Musikstück am Klavier mühsam und stetig erlernt werden, bevor es in den größeren Routinespeicher überführt werden kann, was zumeist nachts im Schlaf passiert. Aber dafür ist der kreative Teil des Gehirns in der Lage, sich mit unbekannten Lernfeldern auseinanderzusetzen, zu reflektieren und auch Veränderungen von Routinen insgesamt einzuleiten. Für den Routineteil des Gehirns ist das zunächst einmal anstrengend. Erschwerend kommt hinzu, dass er weitaus stärker und dominanter ist. Aus diesen Gründen steht der Mensch von Natur aus Veränderungen nicht sehr aufgeschlossen gegenüber, interpretiert diese zunächst abweisend, sieht darin vielleicht sogar eine Gefahr und baut sich vorsichtshalber Gegenargumente zusammen. Von daher macht das Bild des Reiters stellvertretend für den kreativen Teil unseres Gehirns,der versucht einen Elefanten zu lenken- also unsere Gewohnheitsroutinen -die Ausgangslage für das Andersdenken mehr als deutlich.

Mit dieser Erkenntnis haben nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Unternehmen, Organisationen, Branchen bis hin zu Regierungen von Nationen zu tun. Veränderungen sind zunächst anstrengend, somit unbequem, und man begibt sich auf neues, unbekanntes Terrain. Wie begegnet man nun dieser Ausgangssituation, um Werte, Kulturen, Traditionen und Routinen zwar zu nutzen, aber dennoch offen zu sein für neue Ansätze, Innovationen und Veränderungen – also das Andersdenken.

Die Verbesserungskata von Toyota hat diesbezüglich ein ganzheitliches Managementsystem entwickelt, mit der die nicht vorhersehbaren Lernwege wiederum mit eingeübten Routinen bearbeitet und erobert werden. Mit wissenschaftlich-experimentellem Vorgehen wird die Kreativität der Mitarbeiter vor Ort in den Produktionsbereichen angeregt und genutzt. Damit sollen Bedingungen und Effizienz, beispielsweise direkt am Arbeitsplatz, kontinuierlich verbessert und mit definierten Zielzuständen transparent sowie erreichbar gemacht werden. Mithilfe der Kata, also mit standardisierten und eingeübten Abläufen, gelingt es, sich den Elefanten für die kreativen Ziele des Reiters zunutze zu machen.