Biertrinken auf Serbisch

05.02.2020 08:07

Biertrinken auf Serbisch

Ein Kuriositätenkabinett der Biere – wer träumt nicht davon? Die Craft Beer Szene in Serbien hat mit Kabinet Brewery genau das zu bieten! Also lest unseren neuen Beitrag:

Bierkultur ist ein wichtiges Thema für uns auf diesem Blog. Aber warum geht es eigentlich so oft um das Brauen und Trinken in Deutschland? Es gibt doch so viele Länder auf der Welt, in denen Bier seinen festen Platz in der Gesellschaft hat! Und eines von ihnen befindet sich im Moment mitten in einer Craft Beer Revolution: Serbien. Natürlich wird in Serbien schon lange Bier getrunken und das Getränk gehört für viele zum Alltag. Aber auf dem serbischen Biermarkt findet man vor allem traditionelle Sorten wie Lager – und Craft Beer ist ein ganz anderes Kapitel, das gerade erst so richtig Fahrt aufnimmt. Deshalb habe ich mich mal mit Kosara, der Mitgründerin von Kabinet Brewery, einer Craft Brewery aus Belgrad, unterhalten.

Wann wurde eure Brauerei gegründet bzw. eröffnet? Und welche Auswirkungen hatte das auf die Bierwelt in Serbien?

Kabinet, als erste Greenfield Craft Brewery im Balkan, wurde 2013 gegründet und unsere ersten drei Biere kamen im Februar 2014 auf den Markt. Wir waren definitiv Pioniere eines neuen Stils, da viele Menschen noch nie zuvor Biere im Ale-Stil probiert hatten. Und seitdem haben wir mehr als 85 verschiedene Biere gebraut, die auf fünf Kontinente und in 25 Länder der Welt gereist sind.

Diese verkauft ihr als Kabinet Brewery. Woher kommt der Name?

Wir haben uns vom Kuriositätenkabinett, also einer altertümlichen Form des Museums, zu unserem Namen inspirieren lassen. Dort hat man wertvolle Dinge von überall auf der Welt gesammelt. Das wollten wir auch für Kabinet – sowohl was Geschmack als auch was das Design angeht.

Wo wir gerade von Design sprechen: Ihr habt sehr schöne, kreative Labels auf euren Bieren. Was hat es damit auf sich und wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

Da jedes Rezept seine eigene Geschichte hat, dachten wir, dass die Gestaltung der Etiketten ebenso individuell und maßgeschneidert sein sollte. Daher ist jedes Etikett ein Entwurf eines anderen Künstlers, einige sind bereits sehr berühmte Maler oder Grafiker, andere sind noch junge Profis. Wir haben sogar sowohl lokale als auch regionale Auszeichnungen für diesen einzigartigen Ansatz erhalten!

Was ist so alles in eurem Sortiment zu finden und welche davon sind die beliebtesten Biersorten? Und ist euer Bier auch irgendwo in Deutschland erhältlich?

Wir haben etwa 25 Biere, viele sind in internationalen Kooperationen entstanden. Jeden Monat brauen wir ein neues Bier und erhalten viele Auszeichnungen für unsere fassgelagerten und dunklen oder IPA-Biere. Aber die beliebtesten Biere sind nach wie vor „einfache“ serbische Craft Beer Sorten wie Brka oder Lutka. Kabinet Biere waren auch schon in einigen Bars in Berlin und auf der Stone Brewing Berlin Beer Week erhältlich, aber leider sind sie es derzeit nicht mehr.

Du hast gerade von euren Kollaborationen mit anderen Brauereien gesprochen. Erzähl mir mehr! Gibt es denn schon Pläne für dieses Jahr?

Kooperationen sind ein großer Teil des gastronomisch-kulturellen Austauschs, der in der Welt des Craft Beers wichtig ist. Wir haben gerade unser viertes Mikkeller-Bier gebraut, ein Hopfbier, ausschließlich für den Balkan. Außerdem haben wir in Kollaboration mit De Molen ein Bier mit dunkler Schokolade und Sesam in unserem Sortiment. Private-Label-Biere für Restaurants oder Hotels sind für uns ebenfalls interessant, da wir gerne interessante Bierkombinationen erstellen. So haben wir beispielsweise Bier für das lokale asiatische Restaurant Istok, das Radisson Collection (ein Hotel in Belgrad) und das Dukley Gardens Hotel & Resort in Montenegro gebraut. Und im Jahr 2020 stehen natürlich noch einige weitere Kooperationen an – mit verschiedenen US-Brauereien, mit unseren alten italienischen Freunden Cenediguerra und wie immer gibt es noch viele weitere Überraschungen von unserer Kabinet Crew.

Wie viele Hektoliter Bier produziert ihr im Jahr? Und habt ihr Wachstumspläne?

Im Moment produzieren wir etwa 200 Hektoliter und ja, wir haben tatsächlich Wachstumspläne! Für dieses Jahr planen wir, uns dem deutschen, italienischen und griechischen Markt anzunähern und erwarten ein Wachstum von bis zu 20%.

Ihr habt ja nicht nur Bier, sondern auch Pivolada. Worum handelt es sich denn dabei?

Pivolada ist ein einzigartiger Bieraufstrich mit verschiedenen Gewürzen und minimalem Zuckergehalt. Es ist nochmal eine andere Art, den Leuten zu sagen, dass sie mehr mit Bier spielen können – zum Beispiel beim Kochen mit verschiedenen Rezepten. Der Brotaufstrich ist eine Kreation unseres Küchenchefs Dejan Maksimovic, der auch für unser Taproom-Restaurant kocht.

Was hat sich denn in der serbischen Bierwelt um euch herum in den vergangenen Jahren so verändert?

Seit der Eröffnung unserer Brauerei hat sich der serbische Markt stark verändert, da Craft Beer für den Verbraucher kein völlig neues Konzept mehr ist und viele kleine Craft Breweries, Pubs und Biergeschäfte ihre Türen geöffnet haben. Die extremen Geschmäcker und oft hohen Preise sind jedoch immer noch eine Grenze für die Verbraucher auf dem lokalen Markt.

Für mich hört sich Kabinet auf jeden Fall schon sehr vielversprechend an und ich hoffe, dass serbische Biertrinker in den Geschmack von vielen interessanten Suden kommen. Und wer weiß, vielleicht ist ihr Craft Beer bald das neue Trendgetränk auf unserem deutschen Biermarkt. Ich drücke die Daumen und bin auf jeden Fall gespannt, was die Brauerei in Zukunft noch so alles auf die Beine stellt!