Wie Blockchain das Vertrauen in der Weinbranche wiederherstellen kann

03.11.2017 10:36

Wie Blockchain das Vertrauen in der Weinbranche wiederherstellen kann

Blockchain wird den Weinmarkt revolutionieren, davon ist Eric Annino überzeugt. Denn der Handel mit gefälschten Weinen kann so endlich gestoppt werden.

Blockchain ist ein Thema, über das jeder spricht, aber das nur wenige (mich selbst eingeschlossen) wirklich genau verstehen – so wie bei Bitcoin oder dem Aktienmarkt. Was ich aber begriffen habe ist, dass es bei Blockchain um Vertrauen geht und Blockchain deshalb jede Branche revolutionieren wird. Das gilt auch für den Weinmarkt.

Beim Kauf und Verkauf von Spitzenweinen spielt Vertrauen schon immer eine große Rolle. Ein Verkäufer bietet eine Flasche zum Kauf an – meistens einen seltenen, alten Wein oder einen von einem renommierten Winzer. Er macht dabei auch Angaben zur Herkunft des Weines, um zu belegen, dass der Wein echt ist und sachgemäß gelagert wurde. Und die Käufer streiten sich regelrecht darum, Tausende, wenn nicht gar Zehntausende von Dollar dafür hinzulegen. Das hat sich in den letzten zehn Jahren geändert.

Der Handel mit gefälschten Weinen ist ein Millionengeschäft

2008 erzählte Benjamin Wallace in seinem Erfolgskrimi The Billionaire’s Vinegar (wird in Kürze verfilmt mit Matthew McConaughey in der Hauptrolle) die wahre Geschichte eines deutschen Musikmanagers und Weinsammlers, der andere wohlhabende Sammler dazu brachte, gefälschten Wein zu kaufen (also Wein, der irgendwie gepanscht und oftmals unter eine teureren Marke verkauft wurde), unter anderem verschiedene Flaschen, die angeblich Thomas Jefferson gehört hatten. Wallaces Buch wurde ein Beststeller der New York Times und hat Weinsammler überall auf der Welt ziemlich misstrauisch gemacht.

Ein halbes Jahrzehnt später wurde die Welt des Weins erneut erschüttert, als der Weinsammler und Weinpanscher Rudy Kurniawan zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil er wohlhabende Sammler um mindestens 20 Millionen US-Dollar betrogen hatte (die ganze Geschichte finden Sie in Peter Hellmans neuem Buch In Vino Duplicitas). Als Folge der „Rudy-Affäre“ begannen Auktionshäuser viele Weine mit zweifelhafter Herkunft aus ihrem Angebot zu nehmen. Gerichtsprozesse folgten, und der Milliardär Bill Koch, ein prominenter Weinsammler, der sowohl auf Rudy als auch auf den mutmaßlichen Weinpanscher aus Wallace‘ Buch Hardy Rodenstock reingefallen war, begann sogar einen regelrechten Kreuzzug gegen gefälschten Wein. Dabei gab er mehr als 20 Millionen US-Dollar aus eigener Tasche aus, um Fälschern auf die Spur zu kommen.

Noch nie war das Vertrauen in den Markt für Spitzenweine niedriger – aber Blockchain gibt Anlass zur Hoffnung.

Blockchain ermittelt sicher die Herkunft eines Weines

Denn es gibt beispielsweise Everledger, eine Blockchain-Firma mit Sitz in London, die als erstes Unternehmen die Herkunft eines Weines via Blockchain absichert. Nachdem sich Everledger im Kampf gegen gefälschte Diamanten einen Namen gemacht hat, hat sich das Unternehmen nun auf Wein verlegt und zusammen mit Weinpansch-Spezialistin Maureen Downey, die eine wichtige Rolle bei der Untersuchung im Fall Rudy Kurniawan gespielt hat, das Chai Wine Vault ins Leben gerufen.

Mit dem Chai-Verfahren von Downey, das über 90 Datenpunkte auf einer Flasche erfasst, sowie hochauflösenden Fotos und Datensätzen zu Eigentum und Lagerung erzeugt Everledger eine permanente, digitale Darstellung einer Flasche in der Blockchain. Dieser permanente Datenpool fungiert als Verifizierungspunkt, wenn die Flasche den Besitzer wechselt. Die Blockchain wird ständig aktualisiert, sodass jeder, der die Flasche kauft oder verkauft, sich darauf verlassen kann, dass die Herkunftsangaben echt sind.

Ein solch hohes Maß an Sicherheit in der Lieferkette wird in jeder Branche immer wichtiger. Deshalb will sich SAP Ariba mit Everledger zusammentun. „Wenn es möglich ist, den Weg von Diamanten zu verfolgen, kann man alles verfolgen“, sagt Joe Fox, Senior Vice President für den Bereich „Business Development and Strategy“ bei SAP Ariba. „Blockchain sorgt unter anderem für mehr Transparenz und Vertrauen. Wenn wir Blockchain in unsere Anwendungen und unser Netzwerk einbetten, können wir Logistikketten möglich machen, die intelligenter, schneller und transparenter sind – von der Bezugsquelle bis hin zur Bezahlung.”

Gefälschter Wein ist nichts Neues – schon Plinius der Ältere beklagte sich darüber im alten Rom, aber inzwischen hat das Phänomen neue Ausmaße angenommen. Experten, darunter auch Downey, gehen davon aus, dass sage und schreibe 20 Prozent des weltweit verkauften Weins Fälschungen sind. Schätzungsweise 10.000 „Rudy-Flaschen“ sind immer noch im Umlauf, und erst kürzlich hat die Polizei 6.000 Flaschen gefälschten Wein in China beschlagnahmt. Für die Weinmärkte weltweit kommt mit Blockchain eine lang ersehnte Innovation, die für Vertrauen bei jeder Transaktion sorgt.

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