„Immer am Boden bleiben“ – Teil 3

01.12.2015 13:56

„Immer am Boden bleiben“ – Teil 3

Als letztendliches Ziel wurde auf einer der vergangenen drinktec Messen einmal die Blockbauweise einer gesamten Abfülllinie proklamiert. Das hat sich bis jetzt nur teilweise erfüllt. Die Frage ist auch, ob es wirklich sinnhaft ist?

Es gibt ja neben dem Nassteil- auch den Trockenteilblock, man hat aber immer noch ein paar Transportbänder zwischen den beiden Blöcken. Das ist einfach eine technische Notwendigkeit, um bei einer Störung zumindest einen Puffer zu haben und so die Maschinen leer fahren können.

Ähnliches gilt auch in der Prozesstechnik für Bier. Da stand mal die kontinuierlich arbeitende Brauerei im Raum. Hat sich das Thema heute erledigt?

Das glaube ich nicht. Es hört sich ja oft so an, als ob ein Produkt eine schlechtere Qualität hat, wenn es kontinuierlich produziert wird. Das denke ich jedoch nicht. Bisher ist gerade beim Brauen die Qualität eher besser als schlechter geworden. Denn es gibt dank kontinuierlicher Brau- und Gärverfahren auch Möglichkeiten zur vollen Qualitätserhaltung. Wir haben auf der letzten BrauBeviale die kontinuierliche Gärung vorgestellt, die zu einer Verbesserung einer Brauerei im Kaltsterilbereich führen wird. Das Verfahren ist ressourcenschonender und benötigt weniger installierte Kapazität. Da sind wir jetzt zwar erst im Anfangsstadium, ich denke aber, dass dies irgendwann Standard werden kann.

Was ist für Sie so spannend an den technischen Entwicklungen in dieser Branche?

 Dass es immer wieder neue Ideen gibt – nicht nur von uns, sondern auch von anderen Komponentenherstellern. Nehmen wir mal das Thema Digitalisierung und die damit ermöglichte Automatisierung. Sie machen den Getränkeherstellern das Leben leichter, ihre Produktion sicherer, die Qualität besser. Das sind Innovationen, die in den Maschinenbau einfließen. Und diese machen das Ganze interessant. Ich sage immer: Das Bessere ist des Guten Feind. Und besser heißt qualitativer, ressourcenschonender und kostensparender. Dabei ist aber auch klar: Das Bessere zu jedem Preis, das geht nicht.

Welche technischen Innovationen haben Sie persönlich besonders begeistert?

Im Maschinenbau hat die Laser-Schneidtechnik die Art des Maschinenbaus stark verändert. Gerade für Spezialmaschinenbauer wie Krones kann man mit solchen Maschinen ab Losgröße eins wirtschaftlich arbeiten. Früher musste man das alles mit Gussformen bauen, da war eine gewisse Mindestlosgröße unabdingbar. Und natürlich führen die Digitalisierung, die automatische Steuerung der Maschinen und die Präzision, die damit herstellbar ist, zu kostengünstigeren Produktionen. Und auch zu ergonomischeren Arbeitsplätzen, meine ich, indem ein Mitarbeiter mehr eine überwachende Funktion ausübt, als dass er manuell menschliche Kraft einsetzen muss.

Krones selbst hat natürlich eine Vielzahl an Innovationen. Krones besitzt über 3. Patente, hinter denen immer Ideen stecken. Ich meine damit speziell die Etikettiertechnik. Denken Sie mal zurück an die Zeit, als man nur Glasflaschen und Papieretiketten hatte, bevor mein Vater mit seinen Entwicklungen Furore machte. Die sensibelsten Flaschen in einer Abfüllanlage, nasse Flaschen, nasser Leim, unterschiedliche Außentemperaturen, die Etiketten rollten sich – die Abfüllung war ein Risikospiel. Und das hat sich durch die Vielzahl an Entwicklungen sehr stark geändert, die Etikettiermaschine ist zur sichersten Maschine in der Abfüllanlage geworden. Das war der Grundstein. Danach hat man uns zugetraut, auch andere Maschinen zuverlässig bauen zu können, nach dem Motto: „Krones hat die Etikettiermaschine hingekriegt, das bisschen Füller schaffen sie allemal.“ Technische Innovation ist nach wie vor ein ganz wichtiger Erfolgsfaktor für uns.

Wie können sich technische Innovationen volkswirtschaftlich betrachtet durch beispielsweise niedrigere Energie- und Wasserverbräuche auswirken? Welchen Stellenwert hat nachhaltiges Denken in der Forschung und Entwicklung in Bezug auf die ökologischen Bedürfnisse der Welt?

Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit in Bezug auf Nachhaltigkeit, auch die Kostenbelastung und die Einsicht, dass man mit Ressourcen auf der Erde schonend umgehen muss – all das führte dazu, dass bei uns sehr früh ein Nachhaltigkeitsbewusstsein entstand. Allein die Entwicklung unseres enviro Konzepts, hinter dem ja ein komplettes Management-System steht und mit dem wir in der Branche eine Vorreiterrolle spielen, zeigt, dass wir diese Themen sehr ernst nehmen. Damit können wir und kann auch die Getränkeindustrie einen Beitrag zu dieser großen Herausforderung der Ressourcenschonung leisten.

Wie hat sich die Branche in den vergangenen zwei Jahrzehnten aus Ihrer Sicht verändert?

 Wenn das Pendel zu sehr in eine Richtung schlägt, bleibt es nicht stehen, es pendelt vielmehr zurück. Wir sehen jetzt beispielsweise in der Brauindustrie eine beginnende Rückwärtsbewegung des Pendels.

Natürlich muss man sich dies je nach Regionen anschauen. In Afrika, Asien und Südamerika zum Beispiel werden die Menschen insgesamt wohlhabender und können sich Genussmittel, zum Beispiel ein Bier, eher leisten. Das führt dazu, dass neue Brauereien gebaut werden, das sind die Wachstumstreiber. Wenn ich mir USA und Europa anschaue, ist ein anderer Trend zu sehen: Diese junge, aufstrebende Craft-Brewer-Szene, die einen Kontrapunkt setzt zu der zum Ende kommenden Konzentrationswelle. Da kommen jetzt diese kleinen frechen Brauer und lassen sich nicht schrecken. Sie finden Investoren und Verbraucher, die begeistert sind, und so gibt es wieder eine Vielzahl von Neugründungen. Natürlich ist nicht jeder gleich ein Neukunde für uns, aber wir haben unser Portfolio auch entsprechend erweitert und bieten nun Maschinen für den niedrigeren Leistungsbereich an. Jeder Trend erzeugt also sozusagen einen Gegentrend und damit bleibt das Ganze spannend.

Haben sich durch die Internationalisierung auch die persönlichen Beziehungen verändert?

Ich denke schon. Ein Automobilhersteller kennt nicht jeden „seiner“ Autofahrer. Dadurch, dass wir aber im Business-to-business-Bereich tätig sind, kennen wir im Prinzip jeden unserer Kunden, „jeden“ Maschinenbetreiber – und jeder kennt uns. Ich selbst kenne viele, aber wenn ich jeden kennen würde, dann wäre unser Geschäft natürlich begrenzt. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Vertriebsmitarbeiter einen engen persönlichen Kontakt pflegen. Ich habe den Eindruck, dass wir als sympathisch, kompetent und zuverlässig empfunden werden. Mit vielen Kunden haben sich sogar enge Freundschaften entwickelt.

Ganz besonders viele Kunden kennen Sie in China, das ist ja sozusagen Ihr Steckenpferd.

Ja, ich liebe China und ich liebe die Chinesen. Mir gefällt die Art und Weise, wie sie miteinander umgehen, die uralte konfuzianisch-laotse geprägte Kultur ist heute immer noch zu spüren. Der tolle Humor und die Disziplin dieses Volks imponieren mir sehr. Die Menschen dort haben in den vergangenen Jahren eine gigantische Aufbauleistung ihres Landes vollzogen, die einmalig in der Menschheitsgeschichte ist. Wenn etwas angepackt wird, dann fasziniert mich das immer.

Den restlichen Teil des Interviews lesen Sie auf unserem Krones blog.

 

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