Von dänischen Dächern in die Welt

12.01.2018 14:35

Von dänischen Dächern in die Welt

Als Schornsteinfeger kennt Morten Bjørklund den Ärger seiner Kunden über Kaminrauch von nebenan. Seine Idee kann Nachbarschaftsstreit schlichten: ein Aufsatz für den Schornstein.

Herr Bjørklund, Sie sind Schornsteinfeger und gleichzeitig Erfinder. Wie kam es dazu?

Schornsteinfeger bin ich schon seit 41 Jahren. In dieser Zeit bin ich auf mehr als 120.000 Dächer gestiegen. Diese Zahl allein hat aber eigentlich nichts weiter zu bedeuten. Viele Erfahrungen habe ich gemacht, weil ich neugierig bin: Ich habe jeden Tag mit meinen Kunden gesprochen, genau hingesehen und viele Fragen gestellt. So kenne ich die Sorgen und Probleme. In Dänemark gibt es besonders viele niedrige Dächer. Wenn der Rauch aus dem Schornstein nicht nach oben abzieht, ist das extrem störend. Außerdem lässt sich ohne vernünftigen Abzug der Ofen schlechter anzünden und wenn er dann doch mal brennt, entwickeln sich Ruß und Rauch — eine Belästigung für den Hausbesitzer drinnen und den Nachbarn nebenan. Also hatte ich vor fünf Jahren die Idee, einen speziellen Rauchsauger für den Schornstein zu entwickeln.

Was genau ist das, ein Rauchsauger?

 

Morten Bjørklund hat als Schornsteinfeger jeden Tag mit seinen Kunden gesprochen, genau hingesehen und viele Fragen gestellt. Jetzt ist er Erfinder. (Foto | Bent Grønlund)

Der BlueChimney ist ein Aufsatz, der auf jeden Schornstein gesetzt werden kann. Er saugt mithilfe eines Lüfters den Rauch aus dem Kaminofen, mischt ihn mit der Außenluft, um ihn zu kühlen und zu verdünnen, und stößt den Rauch dann kraftvoll wieder aus. So bleibt der Rauchabzug frei, die Rauch- und Rußentwicklung vergleichsweise gering und die Nachbarschaft wird nicht vom Rauch gestört. Auch die Emission von Feinstaubpartikeln wird durch den Blue Chimney reduziert. Das ist eine Lösung, die sehr gefragt ist: Im letzten Winter haben wir in Dänemark schon 1.000 Sauger verkauft.

Was ist denn so besonders an der Erfindung?

Der BlueChimney ist sehr benutzerfreundlich. Weil er mit Niedrigstrom läuft, kann jeder ihn problemlos selbst montieren. Außerdem lässt sich der optimale Zug des Schornsteins mit einer kleinen Fernbedienung bequem vom Sessel aus kontrollieren. So ist es möglich, das Feuer klein und die Flamme ruhig zu halten. Auf diese Weise können bis zu 20 Prozent Holz gespart werden. Hinzu kommt, dass der Rauchsauger durch seinen kleinen EC-Motor wenig Energie verbraucht, auch weil er über einen intelligenten Motor verfügt, der sich automatisch abschaltet, wann immer es sich anbietet.

So funktioniert der Blue Chimney:

Der Aufsatz des Rauchsaugers passt auf jeden Schornstein. Der Lüfter zieht seitlich Luft an und ein patentiertes doppeltes Kühlsystem sorgt dafür, dass der Motor im Gehäuse weitestgehend kühl bleibt. Dadurch kann der BlueChimney hohen Temperaturen standhalten und hat eine lange Lebenserwartung. Der Rauch wird zudem zehn- bis 25-mal verdünnt, bevor er kraftvoll aus dem Schornstein ausgestoßen wird. Üblicherweise kommen iQ-Motoren in der Kältetechnik zum Einsatz.

Motor: iQ2 3620
Spannung: 24 VDC
Gewicht: 6,8 kg

Wie sind Sie bei der Umsetzung Ihrer Idee vorgegangen?

Zu Beginn einer Erfindung gibt es viele Dinge, von denen man selbst überhaupt nichts versteht. Das macht aber nichts, solange es gelingt, zu jedem Thema einen Profi zu finden, den man fragen kann. ebm-papst in Dänemark war so jemand für mich. Die Leute konnten mir mit ihrem reichen Erfahrungsschatz in Sachen Lüfter und Motoren weiterhelfen. Ich habe mich regelmäßig mit ihnen getroffen. Das war die Voraussetzung, um zusammen einen geeigneten Motor zu entwickeln. Eine wirkliche Herausforderung war es, gemeinsam ein Material zu finden, das den hohen Temperaturen des Rauchs — bis 700° Celsius — standhält. Der Motor, der Ventilator, seine Elektronik und die Programmierung sind die wichtigsten Bausteine des BlueChimney. Die gute Partnerschaft hat die Entwicklung der Erfindung deutlich weitergebracht und besteht bis heute.

Arbeiten Sie ansonsten allein?

Nein, nicht mehr. Vor dreieinhalb Jahren habe ich mir den perfekten Partner gesucht: Pauli Joensen. Er war zuvor Geschäftsführer einer großen Firma und kennt sich mit dem aus, was ich nicht kann: dem Geschäftlichen. Zusammen haben wir unsere Firma BlueChimney aufgebaut. Heute haben wir vier Mitarbeiter und uns wird nicht langweilig. Ich selbst gehe mittlerweile leider gar nicht mehr aufs Dach. Das vermisse ich schon sehr. Aber wir arbeiten gerade an einer neuen spannenden Idee. Worum es da genau geht, kann ich noch nicht verraten. Aber auf das nächste Jahr darf man schon gespannt sein!

Wie wird sich der BlueChimney weiterentwickeln?

In Schweden, Norwegen und Deutschland starten wir unseren Verkauf zur nächsten Saison. Zwar gibt es in Deutschland im Gegensatz zu Dänemark oft zweistöckige Häuser und noch dazu strengere Gesetze zur Zulassung von Feuerstellen, die Nachfrage nach sauberer Luft ist trotzdem hoch. Wir konzentrieren uns in der nächsten Zeit auf den gesamten Norden Europas. Seit etwa einem Jahr haben wir eine neue Partnerschaft mit einer dänischen Firma, die Kamine herstellt. Dadurch können Kunden unser Produkt jetzt sogar in sämtlichen europäischen Baumärkten kaufen. Unser Plan ist, innerhalb der nächsten vier Jahre bis zu zehntausend Rauchsauger in Europa zu verkaufen. Unsere Zielgruppe ist eigentlich überall, wo es im Winter kalt wird und die Menschen mit Holz oder Pellets heizen. Auch in Amerika — dort war ich neulich im Urlaub — gibt es meiner Meinung nach einen Markt für den BlueChimney. Ein Patent für die USA und Kanada habe ich mir bei der Gelegenheit gesichert.

Trägt der BlueChimney dazu bei, dass sich die Nachbarn besser vertragen?

Anhand der Bestellungen können wir leider nicht nachvollziehen, ob der Kunde den Rauchsauger für sich selbst oder seinen Nachbarn kauft. Aber bei einem Gewinnspiel, das wir zu Weihnachten gemacht haben, hat die Gewinnerin ihren BlueChimney an den Nachbarn verschenkt. Als wir davon hörten, haben wir ihr einen weiteren zu einem Sonderpreis angeboten. Darüber haben sich alle gefreut. Es wäre eine schöne Idee, über eine „Liebe-deinen-Nachbarn“-Aktion nachzudenken.

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