Fehler bei der Kalkulation von Produktvarianten

09.01.2017 09:33

Fehler bei der Kalkulation von Produktvarianten

Ursachen von Variantkosten, Gefahr von strategischen Fehlentwicklungen, Auswege - Diese und viele weitere Fragen werden in diesem Artikel von Uwe Metzger beantwortet

Analyse der Kosten und systematische Steigerung der Rentabilität bei variantenreichen Produkten

 

Fehler bei der Kalkulation von Produktvarianten ...

 

Ursachen von Variantenkosten

Der Trend zur zunehmenden Individualisierung von Produkten ist ungebrochen. Egal ob beiAutos, Haushaltsgeräten, Anlagen oder Nutzfahrzeugen. Erfolgreiche Hersteller bieten eineimmer größere Vielfalt ihrer Produkte am Markt an.In den letzten 10 Jahren hat sich die Anzahl der Varianten im Automobilbereich mehr alsverfünffacht. Nicht nur das. Neue Produkte werden in immer kürzerer Folge am Marktplatziert. Das kostengünstige Produzieren von Produktvarianten wird als Wettbewerbsfaktorzunehmend wichtiger.Übersicht Variantenkosten (exemplarisch) Entwicklungsaufwand für Varianten Prüf- und Freigabeaufwandung für Varianten

Erhöhte Materialkosten (eingepreiste Aufwendungen vom Lieferanten)

Kosten für zusätzliche Werkzeuge oder Anpassung von Werkzeugen

Rüstaufwendungen in der Produktion

Taktverluste in der Produktion

Weitere Produktivitätsverluste in der Produktion

Erhöhter Handlingsaufwand in der Produktion

Zusätzliche innerbetriebliche Transport- und Lageraufwendungen

Erhöhter Aufwand beim Kundendienst

Höherer Aufwand zur Fehlervermeidung und Fehlerbehebung

Höhere Lagerhaltungskosten und Kosten der Kapitalbindung

Aufwendungen für Ersatzteilhaltung und Ersatzteilversorung

Dokumentation von Produktvarianten und Ersatzteilen

Schulung von Mitarbeitern und Kunden

Tabelle1: Übersicht Variantenkosten

Mit der zunehmenden Anzahl an Produktvarianten steigen die Kosten im Unternehmenallmählich an. Typische Variantenkosten oder auchKomplexitätskosten sind exemplarisch inTabelle 1 aufgelistet.

Aus den Erfahrungen in den letzten Jahren stelle ich immer mehr fest, dass vieleUnternehmen mit der rasanten Zunahme ihrer Produktvarianten zu kämpfen haben. Mit derAnzahl an Produktvarianten nimmt auch die Belastung der Mitarbeiter zu.

Was sind überhaupt Variantenkosten?

Die systematische Auseinandersetzung mit der Auswirkung von Produktvarianten beginnthäufig mit der Frage: „Was sind überhaupt Variantenkosten?

“Meine Antwort auf diese Frage lautet erst einmal: Variantenkosten umfassen alleMehraufwendungen, die notwendig sind, um eine Vielzahl unterschiedlicher Produkte zuentwickeln, zu produzieren, zu verwalten, anzubieten, zu verkaufen oder beispielsweise zureparieren.Beim genaueren Hinschauen stellen sich bespielsweise weitere Fragen:

Welche Produkte sind Varianten?

Sind unterschiedliche Grundtypen auch Varianten?

Welche Mehraufwendungen verursachen Varianten?

Zumnächst muss eine klare Definition der wichtigsten Begrifflichkeiten sowie der Festlegungvon Standards und Varianten erfolgen.

Kalkulation von Variantenkosten

Die Selbstkosten werden bei den meisten Herstellern auf Basis von Deckungsbeiträgenkalkuliert. Dem entsprechend werden die Kosten der Entwicklung(Entwicklungsgemeinkosten) oder der Materiallogistik (Materialgemeinkosten) ganz oderteilweise in Form von prozentualen Zuschlagssätzen kalkuliert und verrechnet. Darüberhinaus wird selbst ein Teil der Fertigungskosten als prozentualer Deckungsbeitrag, demsogenannten Fertigungsgemeinkostensatz, kalkuliert. Eine Produktvariante mit hoherStückzahl wird so mit dem selben Zuschlagssatz kalkuliert wie eine Sondervariante.

Häufig werden die Preise für Sondervarianten mit geringen Stückzahlen noch einmal miteinem Korrekturfaktor beaufschlagt. „Sondermaschinen kalkulieren wir mit 100% Aufschlag.Da liegen wir bestimmt auf der sicheren Seite“, so der Vertriebsleiter bei einemMaschinenbauunternehmen. Die nachfolgende Tabelle 2 verdeutlicht die Unzulänglichkeitenbei der klassischen Kalkulation beispielhaft. Hier sind die beiden Kalkulationsarten, dietraditonelle Kostenrechnung und die verursachungsgerechte Kostenrechnung,gegenübergetellt. Auf Basis der traditionellen Kalkulation werden die Kosten für Produkte mithoher Stückzahl, die sogenannten Rennertypen, meist zu teuer berechnet. Demgegenüberwerden die Kosten für Produkte mit geringer Stückzahl deutlich zu niedrig kalkuliert. Kostenabweichungen von weit über 100% sind dabei keine Ausnahme.

Tabelle 2:

Vergleich der KostenrechnungenDarüber hinaus wirken sich sekundäre Effekte auf die Basisdaten bei der Kalkulation aus.Dazu ein Beispiel: Mit zunehmender Anzahl an Produktvarianten geht die Arbeitsvorbereitungdazu über, Arbeitspläne für neue Varianten von bestehenden Grundtypen zu kopieren und zuüberarbeiten. Die hohe Anzahl an Arbeitsplänen führt jedoch häufig dazu, dass die Daten inden Arbeitsplänen nicht oder nur unzureichend aktualisiert und an sich änderndeGegebenheiten angepasst werden. Damit weist eine wichtige Grundlage zur Kalkulation derFertigungskosten entsprechende Abweichungen zu den realen Aufwendungen in derProduktion auf. Das ist häufig eine weitere Ursache für Abweichungen der Kalkulationgegenüber den realen Aufwendungen.

Systematische Auswertungen der Komplexitätsaufwendungen bei produzierendenHerstellern belegen, dass die zusätzlichen Kosten für Produktvarianten zwischen 20% undmehr als 50% der gesamten Selbstkosten betragen. Dieser hohe und zumeist unterschätzte Kostenblock beeinflusst die Gewinnsituation eines Unternehmens maßgeblich.

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