IPA: Volle Kraft voraus!

10.08.2016 13:14

IPA: Volle Kraft voraus!

Wir schreiben das Jahr 1820. Ein englischer Matrose, dessen Name wir nicht kennen, steht auf dem Achterdeck eines Segelschiffs der Royal Navy und blickt in Richtung Osten. Das Ziel seiner Reise: die britischen Kolonien in Ostindien. Unter den hölzernen Bodenplanken des Decks liegen rund 200 Eichenfässer, bis zum Rand gefüllt mit einer braungelblichen Flüssigkeit. Genau darauf warten die Empire-Kolonisten in Indien schon sehnlichst.

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Zugegeben: Obwohl sich die Szene so oder zumindest so ähnlich durchaus einmal abgespielt haben könnte, ist sie historisch nicht verbürgt und höchstwahrscheinlich rein fiktiv. Aber sie enthält – wie so viele Geschichten – einen wahren Kern. Denn unser namenloser englischer Matrose transportiert einen Schatz, der lange Zeit fast in Vergessenheit geraten war und erst seit kurzem seine triumphale Wiederentdeckung feierte: ein Bier namens IPA.

India Pale Ale oder Imperial Pale Ale bezeichnen beide dasselbe Getränk: ein mit hellem Malz und obergäriger Hefe gebrautes Bier mit einer unverkennbaren Geschmacks-Trias: stark, bitter und hopfig. Die Ursachen für diese Kombination sind historisch begründet. Der höhere Alkoholgehalt und die intensive Hopfung sorgten dafür, dass das Bier länger haltbar war – auf dem wochenlangen Seeweg nach Indien logischerweise Priorität Nummer Eins.

In Indien angekommen, sollte das Bier – so heißt es – 1:1 mit Wasser verdünnt werden. Selbst wenn es diese Anweisung tatsächlich gegeben haben sollte: Schon bald schmeckten den imperialen Briten die starke Bitternote und das intensive Hopfenaroma wohl so gut, dass sie auf die Wasserzugabe verzichteten. Auch auf der heimischen Atlantikinsel lernten sie das IPA mit der Zeit lieben. Das Bier selbst blieb bis auf eine geringe Abnahme des Alkoholgehalts ziemlich gleich: hell, herb und hopfengestopft.

Im Laufe der Jahrhunderte fristete das India Pale Ale in Großbritannien dann aber neben Porter und Ale ein eher unauffälliges Dasein. Erst im . Jahrhundert entdeckte die amerikanische Craft-Beer-Bewegung das IPA für sich neu. Die Freude am Herumexperimentieren mit Hopfensorten wie Cascade, Citra oder Chinook führte schnell zu immer kreativeren Produkten: vom starken „Double-IPA“ über das fruchtige „California IPA“ bis hin zum „Avalanche IPA“ mit Karamell-Noten – in der großen Welt der IPAs gibt es nichts, was es nicht gibt. Und dennoch mangelt es den Kreativbrauern nicht an neuen Ideen.

Auch in der stark wachsenden deutschen Craft-Beer-Szene schießen die IPA-Neuschöpfungen gerade wie Pilze aus dem Boden – was bei manchem Neuling schon einmal dazu führt, Craft Beer mit IPA gleichzusetzen. Kein Zweifel: das IPA eignet sich besonders gut für die Geschmacksexperimente der Bier-Handwerker. Aber Craft Beer geht weit über einzelne Sorten hinaus. Craft Beer will die gedanklichen Grenzen des Biergenusses überwinden – und es breitet sich auch auf der realen Landkarte immer weiter aus. So betrachtet stehen auch die Kreativbrauer der Gegenwart quasi als Pioniere an Bord ihres großen Craft-Beer-Schiffes und weisen den Weg in Richtung Zukunft der Bierkultur. Natürlich mit einem IPA in der Hand.

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