Hat hier jemand #Tasting gesagt?

19.06.2019 11:27

Hat hier jemand #Tasting gesagt?

Acht Studenten der Virginia Polytechnic University besuchten unser #BrewCenter in Freising und brauten ihr erstes eigenes #Bier. Naja, ob das so gut geworden ist? Hier gibts die vorzeitige Auflösung.

Früh morgens mache ich mich mit zwei Kolleginnen auf den Weg von Neutraubling nach Freising in das Werk Steinecker der Krones AG. Dort warten unsere Kollegen aus dem Brew Center sowie acht StudentInnen und ihr Dozent aus der Virginia Polytechnic University. Die Jugendlichen studieren Food Science and Technology oder Biological Systems Engineering und machen einen Austausch mit der TU München. Sie sind bereits seit drei Wochen in Deutschland und waren unter anderem im Forschungszentrum der TU. Heute bekommen sie eine Werksführung im Werk Steinecker und brauen ihr eigenes Bier – und wir dürfen mit dabei sein.

Bevor es zur Werksführung geht starten wir schon einmal den Brauprozess. Camryn, eine der Studentinnen aus Virginia, darf Malz in die Schrotmühle zum Mahlen geben. Anschließend wird das gemahlene Malz im Maischbottisch mit Wasser zu Maische vermischt. Wir wollen ein helles Weißbier brauen, deshalb wird die Maische 15 Minuten bei 52 Grad, 45 Minuten bei 62 Grad und 30 Minuten bei 72 Grad erhitzt. Wir haben also genug Zeit, um uns in Ruhe das Werk anzuschauen.

Anschließend erzählt Dr. Johannes Tippmann, Entwicklungsingenieur bei Krones und ehemaliger Dozent der Brau- und Getränketechnologie an der TU München, einiges über den geschichtlichen Hintergrund des Weißbiers und dass dessen Produktion gar nicht so einfach ist – was wir im Laufe des Tages auch noch merken werden.

Jetzt steht die Wahl der Geschmacksrichtung unseres Weißbiers an. Die wird durch den Hopfen bestimmt, den wir später dazu geben werden. Der Kühlschrank des Brew Centers gibt da eine ganze Menge her: von fruchtig bis würzig ist alles dabei. Hopfen kann man nämlich vakuumiert und in Aluminium verpackt bis zu sechs Jahre kühl lagern. Die StudentInnen um Dozent Bruce Herbert entscheiden sich für Hopfen mit der Geschmacksrichtung Lemon. Jena, Studentin des Studiengangs Biological Systems Engineering, findet: „Der klingt so interessant, ich habe das noch nie probiert. Können wir den benutzen?“. Wird gemacht!

Für manche StudentInnen ist der Brauprozess eine echte Herausforderung. Andere hingegen haben vieles im Studium bereits gelernt und mussten sogar eine Prüfung darüber schreiben. Deshalb sind die Erwartungen an den Tag hoch – Jenas wurden zum Glück erfüllt: „Das ist bei Weitem eins der beeindruckendsten Systeme, das wir je gesehen haben!“ Auch Camryn ist froh, diese Erfahrung machen zu dürfen, denn sie kannte Krones bisher noch nicht: „Jetzt weiß ich, dass ihr große Hightech Maschinen zum Brauen produziert.“

Aber zurück zu unserer Maische. Das Gemisch kommt in den Läuterbottich, denn hier wird jetzt durch Filtration der Treber von der Würze getrennt. Dabei sind die ersten Minuten besonders kritisch – der Läuterprozess sollte anfangs am besten langsam und am Ende schneller verlaufen. Zum Glück haben wir aber alles richtig gemacht. Wir probieren die gefilterte Flüssigkeit – die Würze – und sie schmeckt unerwartet (zumindest für die Brau-Anfänger unter uns) süß, irgendwie noch gar nicht nach Bier. Aber es passiert ja auch noch was.

Weil wir schon mal dabei sind, probieren wir zwischendurch noch Biere, die unsere Kollegen in Freising bereits gebraut haben.

„Hat hier jemand Tasting gesagt?“ – Drew, einer der Studenten, wird gleich hellhörig und schnappt sich sofort einen Bewertungsbogen. Zuerst gibt’s ein Mango-Helles, danach ein IPA. Wir nehmen es kritisch unter die Lupe und bewerten Aussehen, Geruch und Geschmack. Dr. Konrad Müller-Auffermann, Projektleiter des Steinecker Brew Centers, hat mir vor dem Tasting erzählt, dass die Geschmäcker bezüglich Bier sehr verschieden sind. Männer bevorzugen oft eher herberes Bier, Frauen dagegen ein Süßeres. Und tatsächlich – die Mädels verziehen beim IPA ein bisschen das Gesicht, den Männern schmeckts. Auch Drew meint: „Mango war nicht so gut, das Andere war viel besser.“ Mir hat das Mango-Helle übrigens besser geschmeckt. Klischee bestätigt. 

Doch wir sind noch lange nicht fertig. In der Würzepfanne wird der flüssigen Würze jetzt der Hopfen zugegeben, den wir vorher ausgesucht haben. Zwischendurch nehmen die StudentInnen der Virginia Tech alle zehn Minuten Proben, um pH-Wert und Extrakt zu messen und zu analysieren – wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier.

Nachdem die Mischung gekocht worden ist, werden dann im Whirlpool noch verbleibende Trübstoffe daraus entfernt. Da die anschließende Gärung fünf bis sieben Tage dauert, probieren wir jetzt schon mal unser Lemon-Weißbier. Dafür, dass es noch nicht ganz fertig ist, schmeckt es gar nicht so schlecht!

Im letzten Schritt für heute gibt Camryn die Hefe dazu. Vor ein paar Stunden haben wir die Trockenhefe dafür schon zu einem Wasser-Würze-Mix gegeben, damit sie rehydriert und dadurch wieder „aktiv“ gemacht wird, was später Zeit spart. Nun heißt es warten, denn bis daraus jetzt Bier wird, vergehen noch etwa eine Woche mit der Gärung und ein Monat mit der Lagerung.

Damit konnten wir tatsächlich (fast) den gesamten Brauprozess einmal live in unserer eigenen Versuchsbrauerei miterleben. Und auch Jena ist begeistert von dem Tag im Brew Center: „Man merkt, dass hier alle ihren Job lieben. Egal was ich frage, jeder erklärt alles total gut.“ Und was fanden die Jungs am besten? „Ich will jetzt nicht derjenige sein, der sagt, dass die Verkostung am besten war (lacht)“, sagt Benjamin – warum fragen wir eigentlich. 

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