Eine kleine Deutschstunde

20.05.2020 09:22

Eine kleine Deutschstunde

Deutsche Sprache, schwere Sprache. Aber macht euch keinen Kopf, unsere Germanistik-Expertin Eva bringt Licht ins Dunkel: Was steckt hinter den deutschen, bierigen Redewendungen? Das erfahrt ihr in unserem neuen Blogbeitrag:

Im Hopfenbetrieb eines Bekannten treffen sich zur Ernte immer Helfer aus verschiedensten Ländern– da fällt die Verständigung manchmal schon ein bisschen schwer. Ganz leicht ist das mit der deutschen Sprache ja auch wirklich nicht: Vier Fälle, drei Artikel und irgendwie viel zu viele komische Konsonantenfolgen. Wer soll sich da noch auskennen. Kommt man dann noch mit Redewendungen, sind Hopfen und Malz gänzlich verloren – sozusagen. Da ist die Maß dann voll.

Als Germanistik-Studentin hege und pflege ich meine nerdige Ader für Etymologie (Wortherkunftsgeschichte) mit ausgesprochener Sorgfalt. Auf Partys mache ich mich immer sehr beliebt mit Fragen wie „Weißt du eigentlich, woher das Wort Urlaub kommt?“ oder „Müsste es nicht eigentlich [kw]arantäne statt [k]arantäne“ heißen?“. Das finden alle immer höchst unterhaltsam.

Aber jetzt mal Butter bei die Fische (diesen Ausdruck verstehe ich tatsächlich selbst bis heute nicht): Wenn es um’s Bier geht – nicht um die Wurst – interessieren mich diese Ausdrücke ganz besonders. Da verstehe ich keinen Spaß. Bin sozusagen bierernst. Woher kommen denn diese Redewendungen? Ich habe mich mal schlau gemacht:

Wenn bei einer Sache beispielsweise Hopfen und Malz verloren sind, dann ist sie keinerlei Beachtung mehr wert, weil sie völlig aussichtslos ist. So geht es wohl auch dem ein oder anderen Brauer manchmal: Sei es das neue Geheimrezept oder der allererste Brauversuch, manchmal schafft man es einfach nicht, sein Bier so zu brauen, wie man möchte. Und dann sind die Zutaten, der Hopfen und das Malz, verloren. Eigentlich ganz logisch, oder?

Ein weiterer Funfact, mit dem ihr auf der nächsten Party sicher brillieren könnt, bezieht sich auf den Spruch „Wein auf Bier, das lob ich mir – Bier auf Wein, das lass sein!“: Es geht hier nämlich nicht (wie man glauben möchte) darum,  dass man Bier und Wein in einer bestimmten Reihenfolge trinken sollte, um am nächsten Tag noch möglichst lebendig zu wirken, sondern um die Ständeregelung aus dem Mittelalter. Das Bier symbolisiert hier den niedrigeren Stand, der Wein den höheren: Trinkt man also zuerst Bier mit den Bauern und später Wein mit dem Adel, dann ist das gesellschaftlich anerkannt. Vom Adel in den Bauernstand überzugehen, sollte man allerdings sein lassen. Wenn ich aber ganz ehrlich bin, ist mir herzlich egal, was die Leute im Mittelalter gesellschaftlich anerkannt haben. Wichtig ist mir eher, dass ich nach zwei Gläsern süßer Weißweinschorle trotzdem noch meiner wahren Liebe treu sein kann: Dem Bier. Denn zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils.

Mit diesem außerordentlichen, neu erworbenen Wissensschatz könnt auch ihr in Zukunft schlaumeiern. Was meinen Bekannten und seine Mitarbeiter allerdings angeht: Die verlassen sich weiterhin auf die Kommunikation mit Händen und Füßen, statt aufs Sinnieren über mittelhochdeutsche Sprachstrukturen – nicht ganz zu Unrecht. Ist im Endeffekt aber auch deren Bier.

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