Master-Plan

10.05.2017 13:48

Master-Plan

Uns ist gerade einmal wieder eine Ausgabe vom magazin 1/17 in die Hände gefallen. Und da haben wir so allerhand interessante Artikel gefunden: zum Beispiel eine Reportage über die Brauerei Farsons.

Master-Plan

 

Uns ist gerade einmal wieder eine Ausgabe vom magazin 1/17 in die Hände gefallen. Und da haben wir so allerhand interessante Artikel gefunden: zum Beispiel eine Reportage über die Brauerei Farsons. Und weil wir direkt ins Schmökern gekommen sind, wollen wir diese Entdeckung niemandem vorenthalten. Hier ist allerdings nur Platz für eine kleine Zusammenfassung, mehr zum Thema gibt’s im Magazinartikel. 
 

Es ist eine besondere Abfüllanlage für eine Brauerei mit einer besonderen Lage: Auf Malta, einer kleinen Insel im Mittelmeer, genau zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Festland, bedient Simonds Farsons Cisk rund zwei Drittel der Biernachfrage des Landes. Eine neue, sehr komplexe Abfülllinie kombiniert jetzt das Abfüllen und Verpacken von Mehrwegglas, Einwegglas und Dosen.

Lange Zeit war die Insel eine englische Kolonie. Noch heute ist Englisch die Standardsprache neben der heimischen Sprache Maltesisch, einer über Jahrhunderte gewachsenen Mischung aus Arabisch, Italienisch und Englisch. 2004 trat Malta der EU bei – mit weitreichenden Folgen, auch für seine Getränkeindustrie. Denn bis dahin hatte sich das Land in gewisser Weise abgeschottet, beispielsweise durch ein Importverbot für Erfrischungsgetränke in Einwegverpackungen oder hohe Einfuhrzölle für Bier. Nach einer vierjährigen Übergangszeit wurde der Markt 2008 dann völlig liberalisiert. Unter den einheimischen Getränkeproduzenten wuchsen die Befürchtungen, dadurch unter internationalen Druck zu geraten. Doch diese bewahrheiteten sich nicht – im Gegenteil. Zwar änderten sich die Gegebenheiten auf dem Markt für alkoholfreie Getränke schlagartig: Innerhalb eines Vierteljahres lösten PET-Flaschen sowie Dosen fast vollständig die Glasflaschen ab. Doch darauf waren die Abfüller vorbereitet. Und die Brauerei Farsons, der Platzhirsch auf dem maltesischen Biermarkt, floriert seitdem mehr als je zuvor – auch, weil sie rechtzeitig und vorausschauend in den Aufbau ihrer Marken investiert hatte.

Konsequent modernisiert

Dass Farsons sich auf dem Biermarkt so gut behaupten konnte, führt Ray Sciberras, Chief Operations Officer, nicht zuletzt auch auf die langjährigen Lizenzvereinbarungen mit Carlsberg und (damals noch) Anheuser-Busch zurück: „Dank der Zusammenarbeit mit diesen international erfahrenen Brauereien konnten wir unseren eigenen Qualitätsstandard permanent verbessern.“
Konsequent modernisierte die Gruppe in den vergangenen Jahren die komplette Brauerei. Ein erst vor wenigen Jahren neu gebautes Hochregallager mit 12.000 Paletten-Stellplätzen verarbeitet circa 170 SKUs (Stock Keeping Units) nach dem First-in-First-out-Prinzip. Es dient als Schnittstelle zwischen Produktion und Distribution. Letztere wickelt Farsons auf der Insel komplett in Eigenregie ab. 2017 wird das Lager um 4.000 Stellplätze erweitert.

2012 nahm Farsons ein neues Steinecker Sudhaus in Betrieb. Neben einem zeitgemäßen Qualitätsstandard punktet es auch mit weiteren Vorteilen: Farsons reduzierte seine Personalkosten deutlich, zum Beispiel durch die Automatisierung der Malzannahme. Auch Energiekosten und Wasserverbrauch ließen sich gravierend senken: Die Verdampfungsrate wurde halbiert, die eingesetzte Kochenergie durch Pfannendunstkondensator und Energiespeicher zurückgewonnen. Gleichzeitig konnte Farsons die Kapazität auf rund 300.000 Hektoliter verdoppeln: Statt sechs produziert das Unternehmen nun zwölf Sude pro Tag – und das bei nahezu gleichbleibenden Behältergrößen.

Schlüsselprojekt

Nachdem diese Installation des Sudhauses erfolgreich abgeschlossen war, begann Farsons mit der Planung des nächsten Modernisierungsprojekts: Nun sollte auch die bestehende Abfüllung den Marktbedürfnissen angepasst und vollständig erneuert werden. Für Michael Farrugia war das „ein Schlüsselprojekt, eingebettet in einen Master-Plan. Dieses hat die weitere Entwicklung unseres Unternehmens entscheidend positiv beeinflusst.“

Zuvor nutzte Farsons zwei getrennte Abfüllanlagen: eine Mehrwegglas-Linie mit einer Leistung von 30.000 Flaschen pro Stunde sowie eine 14.000er Dosenlinie. Doch die Maschinen hatten schon einige Zeit ihren Dienst geleistet und in den Jahren zuvor hatte sich die Nachfrage zugunsten der Dose verändert. Deshalb wollte Farsons zum einen die Kapazitäten für Dosen erhöhen, zum anderen sollte auch die Abfüllung und Verpackung von Einweg-Glasflaschen möglich gemacht werden, mit einem besonderen Augenmerk auf Export und entsprechende Ausstattungs- und Verpackungsvarianten.

Mehrweg-Glasflaschen, Einweg-Glasflaschen und Dosen – also drei Linien? Nein. Stattdessen entschied sich Farsons für eine einzige, die alles kann. „Der Export von Getränken in Einwegflaschen steht erst am Anfang. Eine separate Linie wäre in dieser Phase übertrieben gewesen“, sagt Ray Sciberras. „Die Mehrweg-Abfüllung ist die Basis für den lokalen Markt, Dosen sind zukunftsträchtig. Deswegen wollten wir alle Möglichkeiten ausschöpfen.“ Für diese Linie erhielt Krones den Gesamtauftrag, lediglich den Dosenfüller stellte Farsons selbst zur Verfügung. Einige Maschinen wie der Leerflascheninspektor Linatronic oder ein Sander Hansen Tunnelpasteur waren noch aus der alten Linie vorhanden und ließen sich perfekt auch in die neue Anlage integrieren. „Wir arbeiten seit über 40 Jahren mit Krones zusammen. Wir kennen das Unternehmen noch aus den Zeiten, als es ausschließlich Etikettiermaschinen baute, und konnten sein Wachstum und seine Entwicklung seither hautnah mitverfolgen“, sagt Louis Farrugia. „Wir machen ungern halbe Sachen, deswegen ist es uns wichtig, dass wir uns zu 100 Prozent auf Krones verlassen können.“

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