Die Mobilmacher – Rollator mit Elektroantrieb #Elektromobilität #emobility

12.03.2018 09:46

Die Mobilmacher – Rollator mit Elektroantrieb #Elektromobilität #emobility

Für eine gute Idee zerlegen Siegfried und Peter Herrmann schon mal den heiß geliebten Golftrolley, um mit den Einzelteilen zu basteln. Herausgekommen ist dabei ein Rollator mit Elektroantrieb. Damit machen die Reutlinger Tüftler Senioren und Rehapatienten

„Baden-Württemberg. Where ideas work.“ So steht es auf der Kaffeetasse mit Landeswappen, aus der Peter Herrmann gerade einen Schluck nimmt. Er sitzt in seinem Büro. Neben dem Schreibtisch mit der Baden-Württemberg-Flagge steht ein Kinderbett für Tage, an denen der Nachwuchs mit zur Arbeit kommt. Schnell wird deutlich: Hier ist ein schwäbisches Familienunternehmen am Start. „Wir sind eigentlich ein klassischer Systemdienstleister für große Medizin­technik­unter­nehmen“, sagt der Bemotec-Juniorchef dann auch mit schwäbischem Akzent. Sein Vater Siegfried Herrmann hat das Unternehmen in der Garage gegründet und auf heute 60 Mitarbeiter ausgebaut. So weit eine ziemlich klassische Geschichte, wie sie zahlreiche Mittelständler erzählen können. Doch Peter Hermann hat noch eine besondere Story in petto. Er hat ein Start-up gegründet, um ein eigenes Produkt auf den Markt zu bringen: einen Rollator mit Elektroantrieb, den „beactive +e“.

Tüftel-Leidenschaft

Eigentlich beginnt die Geschichte auf dem Golfplatz. „Als begeisterter Golfspieler besitzt mein Vater einen Trolley mit Elektromotor“, erzählt Peter Herrmann. „Auf der Heimfahrt vom Golfen überlegte er, dass so ein Antrieb auch an einem Rollator möglich sein müsste. Die Mobilität von Senioren beschäftigte ihn schon länger.“ Der Tüftler in Siegfried Herrmann war geweckt. Zu Hause musste darum sein geliebter Trolley daran glauben. „Den haben wir auseinandergebaut, im lokalen Sanitätshaus einen klassischen AOK-Porsche geholt, die Rädle wegmontiert und die Steuerung des Trolleys drangebaut“, erinnert sich sein Sohn und muss lachen. Schnell war klar: Die Idee ist gut, die Umsetzung aber nicht ganz so einfach. Die Rohrkonstruktion des Standardrollators erwies sich als zu instabil und die Bedienung für ältere Menschen als zu kompliziert.

Durchdachte Details

Eine zufällige Begegnung rettete das Projekt: Auf den Innovationstagen der örtlichen Industrie- und Handelskammer traf Peter Herrmann auf die Tricon Design AG. Das Unternehmen ist auf Transportation Design spezialisiert und gestaltete unter anderem die U-Bahnen in Hamburg und Schanghai. „Mir war gleich klar: Mit denen müssen wir sprechen!“ Damit nahm der E-Rollator so richtig Fahrt auf. Gemeinsam mit den Experten erarbeitete Bemotec eine Design-Studie. Antrieb, Ergonomie und Bedienaspekte standen dabei besonders im Fokus.

„Ich dachte mir, ein Antrieb wie bei meinem Golftrolley müsste auch an einem Rollator möglich sein.“
SIEGFRIED HERRMANN, BEMOTEC

Für das Team war das weitestgehend Neuland. „Bei unseren Kundenaufträgen steigen wir erst zu einem späteren Punkt ein und müssen uns mit grundsätzlichen Fragen nicht beschäftigen“, erklärt Peter Herrmann. Drei oder vier Räder? Wie machen wir den Rollator stabil? Wie muss der perfekte Griff aussehen? Auf diese Fragen suchten die Entwickler Antworten. Das Ergebnis: vier Räder, ein stabiler Rahmen aus rechteckigen Rohren und ein ergonomischer Griff.

Zwischen 3.000 und 3.500 Euro kostet der „beactive +e“, 20 Kilo bringt er auf die Waage — und sieht ziemlich futuristisch aus, wenn er leise schnurrend ins Zimmer rollt. „Er soll aber nicht wie ein Technikwunder daherkommen, denn ältere Menschen lassen sich davon schnell abschrecken“, merkt der Juniorchef an. Darum steckt die Technik komplett unter der Haube.

Starke Stütze für die Therapie

Die Stabilität des Rahmens ist für Herrmanns größte Kundengruppe besonders wichtig: „Wir sind momentan zu 80 Prozent in der Therapie unterwegs“, erklärt er. „Schlaganfall-, Multiple-Sklerose- oder Parkinson-Patienten leiden häufig unter Gleichgewichtsstörungen und die Betroffenen haben einen unsicheren Gang. Da ist ein Leichtgewicht-Rollator genau das Falsche.“

Beim Antrieb entschied sich das Bemotec-Team für einen EC-Motor von ebm-papst ZEITLAUF mit Winkelgetriebe. Das passten die Spezialisten auf die individuellen Anforderungen der Reutlinger an. Denen lag ein optimaler Leichtlauf besonders am Herzen. „Patienten oder Rentner müssen den Rollator ja auch ohne Motorunterstützung fahren können. Mit dem angepassten Winkelgetriebe geht das problemlos. Man hört ganz leise, dass es mitläuft, spürt es aber nicht“, erklärt der Juniorchef. „Aufgrund der Reichweite war auch die Energieeffizienz entscheidend.“

Der Akku hat eine Laufzeit von bis zu zehn Stunden. Einen kompletten Therapietag hält der Rollator also ohne Stromtanken zuverlässig durch. Dank seinem kompakten Design ließ sich der Motor außerdem einfach in das Gestell des Rollators integrieren, ohne den Bewegungsfreiraum des Anwenders einzuschränken. Die einzelnen Komponenten wählten Herrmann und seine Entwickler aus dem ebm-papst Baukasten aus. Für sie war das eine einfache und komfortable Lösung...

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