Morgens halb 11 in Bayern

04.07.2016 08:44

Morgens halb 11 in Bayern

Es ist Sonntag. Zeit, mal so richtig auszuschlafen, den Tag gemütlich angehen zu lassen und im Idealfall mit einem ausgiebigen Frühstück zu starten. Da fallen Ihnen spontan Crêpes, O-Saft, frische Semmeln und Rührei ein? Hört sich tatsächlich nicht schlecht an, aber viele Bayern ziehen dem klassischen Brunch eine hierzulande weit verbreitete Frühstückstradition vor. Ein ganz bestimmtes bayerisches Frühstücksritual konnte sich nämlich langfristig behaupten.

Die Rede ist vom Frühschoppen. Wenn man bedenkt, dass das in Zeiten von (grünen) Smoothies und Birchermüslis alles andere als figurfreundlich und vielleicht auch nicht gerade die leichteste Kost ist, dann ist das schon eine starke Leistung, oder?

In Bayern allseits bekannt und von den meisten selbst schon (mehr oder weniger intensiv) praktiziert, fragen sich „Zuagroaste“ oder Touristen schon mal, was eigentlich hinter diesem Brauchtum steckt und wie so ein Frühschoppen denn aussieht und abläuft. Das wollen wir natürlich nicht weiterhin so stehen lassen und haben uns für einen Schnellkurs in Sachen bayerischer Ess- und Trinkkultur entschieden. 🙂

Ganz wichtig beim Frühschoppen ist schon mal das Ambiente. Und am „Drumherum“ hat sich eigentlich seit Jahrhunderten nichts geändert. Es existiert schon fast eine Art nicht festgeschriebener Kodex darüber. Faustregel Nummer eins: Gesellig muss es sein. Denn mal ehrlich: Wer isst und trinkt schon gern allein? Und wo ist’s am geselligsten? Jawohl, im Wirtshaus – DEM Treff- und Sammelpunkt des guten Bieres und einer anständigen Brotzeit schlechthin.

Wirtshaus, Bier und Brotzeit. Da läuft schon mal vieles richtig, oder? Und wenn dann noch Blasmusik dazukommt, dann geht das Ganze zweifellos als perfektes Frühschoppen durch.

„Klingt jetzt alles nicht sooo revolutionär.“ denken Sie jetzt vielleicht. Sicher lassen sich viele eine frische Maß und einen deftigen Wurstsalat im Biergarten oder im Wirtshaus schmecken. Die meisten gönnen sich dann aber eher eine Feierabendhalbe, also am späten Nachmittag oder abends. Das besondere am Frühschoppen ist aber – der Name selbst verrät es ja eigentlich schon – die Uhrzeit, zu der man in guter Gesellschaft auf einen Schoppen zusammenkommt. Denn der „Bierbrunch“ beginnt schon vormittags zwischen zehn und elf Uhr. Ja richtig, Bier am Vormittag. Ganz schön sportlich, nicht wahr? 🙂 Das geht im Freistaat ohne weiteres, wird in keiner Weise verurteilt und ist durchaus legitim. Gehört ja schließlich zur bayerischen Kultur …

Auf leeren Magen sollte man sein Weizen allerdings nicht genießen. Und genau deshalb dürfen beim traditionellen Frühschoppen Weißwurscht und frische Brezen auf keinen Fall fehlen.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass Weißbier – der Begleiter beim Frühschoppen par excellence – die Verdauung begünstigt und sich so quasi auch noch positiv auf den körperlichen Gesamtzustand auswirkt, dann ist dieses Frühstück der besonderen Art schon eine wirklich ganz anständige Sache. Da kann der verdauungsfördernde Leinsamen-Smoothie einpacken, oder nicht? 🙂

Sie haben noch nicht gefrühstückt heute? Dann würde sich ein Frühschoppen im Wirtshaus um’s Eck ja geradezu anbieten. In diesem Sinne: guten Appetit und Prost! 🙂

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