SAP und 3DEXPERIENCE für die Entwicklung kosteneffizienter und kundennaher Prod

29.06.2016 09:24

SAP und 3DEXPERIENCE für die Entwicklung kosteneffizienter und kundennaher Prod

Die Kundennähe des Tante-Emma-Ladens, die Kostenstruktur des Einweg-Kulis und die Perfektion eines Premiumfahrzeugs – die industrielle Fertigung der Zukunft muss divergente Leistungsdimensionen unter einen Hut bringen. Das Softwareangebot für diese Optimierungsaufgaben gibt es bereits. Aber wie sieht eine IT-Landschaft aus, die den Wandel in der digitalen Transformation begleitet? Ein Beitrag von Erich Großmann, Senior Vice President SAP Solutions bei der CENIT, Stuttgart

Um zu einer hochflexiblen, individuellen und qualitätssicheren Produktion zu gelangen, benötigt das Unternehmen idealerweise eine integrierte IT über alle Aufgabenbereiche hinweg. Von der Produktidee über die Entwicklung bis hin zur Fertigung bündelt und verbindet die IT alle Informationsdaten.

In der bestmöglichen Ausbaustufe hat das Unternehmen eine vollständige Digitalisierung des Produkts erreicht, die vom Konzept bis um Upcycling reicht. Integrierte Systeme und flexible, digital abgebildete Geschäftsprozesse sind realisiert. Welche Wegstrecke bis zu einem solchen „Product Lifecycle Management 4.0“ noch vor dem Unternehmen liegt, ist individuell verschieden und hängt unter anderem von der Branche, von Prozessen und von der Betriebsgröße ab.

Grundsätzlich lassen sich beim Ist-Zustand der IT-Ausstattung von Unternehmen zwei Ausprägungen unterscheiden: Es gibt Unternehmen, die darauf fokussieren, ihre Programme und die Datenvernetzung im Bereich Entwicklung und Konstruktion auszubauen, für andere Unternehmen steht das Produktdatenmanagement im ERP (Enterprise Ressource Planning) im Mittelpunkt.

Beide Positionierungen können als gute Ausgangslage für die digitale Transformation der Fertigung genutzt werden. In der designorientierten Engineering-Perspektive wird der Weg zu einem hochflexiblen Innovationsmodus sichtbar, der zu ideenreichen, marktagilen und kundennahen Produkten führt. Von einem leistungsfähigen ERP aus hat das Unternehmen Zugriff auf Stellgrößen wie Kosten und Qualität.

Strategie für die neue IT

 

Damit die bereits bestehenden Stärken der IT erhalten bleiben, muss die vorhandene Software auf den neusten Stand gebracht werden. Funktionalitäten, die erst teilweise (oder noch gar nicht) nutzbar sind, müssen erweitert oder neu implementiert werden.

Dabei stellt sich die Frage, ob ein umfassendes Softwareangebot mit der darin gegebenen Perspektive auf die Prozesse für das einzelne Unternehmen als alleinige Lösung ausreicht. Und auch wenn die aktuelle Gesamtlösung stimmig ist – wird sie das vor dem Hintergrund der nächsten Disruptionswelle in der Branche auch in Zukunft bleiben?

Um als Unternehmen mehr Flexibilität zu erreichen, muss eine prozessorientierte Synchronisation zwischen den zum Einsatz kommenden Lösungen eingerichtet werden. Ist diese Synchronisation erreicht, kann der Anwender den Einzel-Prozess jeweils in der Umgebung bedienen, die der unternehmerischen Ausrichtung am besten entspricht. Änderungen in der digitalen Abbildung von Prozessen stellen mit diesem IT-Konzept somit nicht die Gesamtlösung in Frage.

Zwei starke Systeme für die Digitalisierung

Eine aktuelle Marktaufgabe betrifft die Integration der 3DEXPERIENCE Plattform in SAP.
SAP gehört im deutschen Mittelstand zu den Standardanwendungen. Die leistungsfähige 3DEXPERIENCE Plattform von Dassault Systèmes mit Softwarelösungen wie CATIA, DELMIA oder der Simulationssoftware SIMULIA ist auf die Anforderungen einer Ökonomie mit digital getriebenen Geschäftsmodellen ausgerichtet.

Gerade Unternehmen in der Rolle eines Innovationsführers sind daher mit der Einführung der 3DEXPERIENCE Plattform vorangegangen. Auch Zulieferer, die ihrer Stellung als „Preferred Partner“ gerecht werden wollen, folgen ihren Kunden in die neue Systemwelt.

Damit sind die beiden Puzzlestücke der Prozesssynchronisation gegeben: SAP und die 3DEXPERIENCE Plattform. Bei einem Integrationsprojekt sind zunächst die Standardprozesse für alle Einträge im Lebenszyklus eines Produkts zu erarbeiten, also zum Beispiel die Bestelleingabe oder die Freigabe einer Änderung.

Im nächsten Schritt folgt die eigentliche IT-Integration über eine Softwarelösung. Die Integrationslösung muss einen bi-direktionalen Datenaustausch zwischen der 3DEXPERIENCE Plattform und SAP-PLM sicherstellen.

Über den reinen Datenaustausch hinaus ist eine weitere Funktionalität gefordert: Die Integration muss es den Nutzern ermöglichen, durchgängige Geschäftsprozesse über Systemgrenzen hinweg zu modellieren. Schließt z. B. ein Nutzer einen Arbeitsschritt im CAD-Programm ab, kann in SAP automatisch die Freigabeanforderung an die richtige Person erfolgen.

Die CENIT bietet für diese Prozesssynchronisation das Lösungspaket cenitCONNECT an. Durch das Softwaretool, das dabei zum Einsatz kommt, können alle Prozessschritte entweder im SAP-PLM oder in dem jeweiligen Modul der 3DEXPERIENCE Plattform bearbeitet werden. Die Grafik 1 zeigt einen beispielhaften Prozessablauf.

Prozess-Schieberegler für das PLM

 

Jeder Prozessschritt wird durch cenitCONNECT als Eintrag in den Lebenszyklus in beiden Programmen synchronisiert. Das verdeutlicht folgendes Szenario beispielhaft: Eine in SAP eingegebene Änderungsanforderung „Materialstärke des Bauteils anpassen“ liegt, einschließlich des zugehörigen Änderungsobjektes, zur Bearbeitung in CATIA vor. Nach Freigabe der Änderung in CATIA ist das neue Bauteil in Form einer neuen Dokumenten­version und ggf. einer neuen Materialnummer automatisch als Eintrag in der SAP Stückliste sichtbar. Der gesamte Änderungsprozess ist zu jedem Zeitpunkt und in jedem System darüber „informiert“, welche Objekte von der Änderung betroffen sind.

Mit dieser Lösung kann das Unternehmen eine hohe Prozesssicherheit und Effizienz erreichen. Beide Engineering-Perspektiven kommen mit ihren jeweiligen Stärken zum Tragen. Die für den einzelnen Anwender weitgehend unsichtbare cenitCONNECT Software funktioniert wie ein Schieberegler für PLM-Funktionalitäten, der es erlaubt, problemlos Änderungen im Prozessmanagement umzusetzen. Mit dieser Flexibilität lässt sich die Fertigung erfolgreich für den kontinuierlichen Wandel der digitalisierten Wirtschaft einrichten.