"Spitzenleistung durch Stress-Steuerung" ein Fachartikel der TAE

05.04.2017 09:39

"Spitzenleistung durch Stress-Steuerung" ein Fachartikel der TAE

Lernen Sie Lösungen aus dem Spitzesport vom Bundestrainer Volker Ziegler kennen

"Spitzenleistung durch Stress-Steuerung" ein Fachartikel der TAE

 

Sress ist in aller Munde. Er scheint schon zum guten Ton und Selbstverständnis des Gebrauchtwerdens zu gehören. Zum beruflichen Zeitdruck, Qualitätsdruck und Komplexitätsdruck kommen sozialer Druck in Form von Abhängigkeiten, Verpflichtungen, Erwartungen und Statussicherung hinzu. Gefühle der Überforderung, der Hilflosigkeit, der Passivität und der Angst sind für viele zeitweise oder dauerhaft die Folge. Nachfolgend einige Möglichkeiten, sich dem Stress zu stellen, sich zu steuern oder auch sich dem Stress zu verweigern. Zur Geschichte des Stress-Begriffs Stress, ein relativ junger Begriff, der erst vom österreichisch-kanadischen Mediziner Hans Selye zwischen 1936 und1950 geprägt wurde, ist dabei grundsätzlich nichts Negatives. Im Gegenteil: Er bezeichnet die körperlichen und psychischen Antworten des Organismus auf Belastungen. Dieser Erregungszustand ist evolutionsgeschichtlich positiv und sichert das Überleben. U. a. führt er durch Hormonausschüttung zu höchstem Aktivierungsniveau und maximaler Reaktions- und Aktionsschnelligkeit. Stress ist also grundsätzlich leistungsfördernd. Nur wurde dieser Mechanismus ursprünglich für Fluchttiere oder zum Kampf entwickelt – beides Verhaltens-weisen, die in ihrer physischen Form im Business nicht kodex konform sind.

Wie ist nun Höchstleistung im beruflichen Alltag abrufbar? Von sportlichen Aufgabenstellungen wissen wir, dass dies nur im Korridor zwischen Unter- und Überforderung gelingt. Nicht nur Kinder finden wenig herausfordernde Aufgaben„langweilig“ und überfordernde Situationen „doof“ und verweigern sich. Karoshi Die Parallelen zwischen Spitzensport und Beruf sind leicht zu erkennen: Der Wechsel zwischen Belastung und Erholung ist das zentrale Steuerungsinstrument. Im Sport ist dies auch die hohe Kunst desTrainerberufs, der Weg zum Erfolg! Sind Führungskräfte nicht auch idealerweise Coaches für sich selbst und ihre Mitarbeiter?

Dem gegenüber steht unsere Lebensweise mit hoher Schlagzahl und Leistungsdruck. Wir empfinden den darausresultierenden Stress primär nicht als bedrohlich, doch er führt zu einer ständigen Aktivierung des Organismus. Für die Erholung bleibt immer weniger Zeit übrig. Aus biologischer Sicht ist dies eine erhebliche Dauerbelastung, die bis zum Kollaps führen kann. Die Japaner haben dafür einen Begriff: Karoshi, Tod durch Überarbeitung. Im Sport spricht man von Übertraining und landläufig von „Burn-Out“.

Was tun? Was können wir tun gegen die modernen Stressoren wie getaktete, arbeitsteilige Arbeitsplätze und „smarten Elektroschmuck“, der scheinbar jederzeit Aufmerksamkeit und eine schnelle Reaktion verlangt? Was hilft gegen Lärm, optische Reize, Rastlosigkeit oder elektromagnetische Strahlung als Folge der Urbanisierung? Können wir uns der Darstellung über Statussymbole (als Folge von mangelndem Selbstbewusstsein?) entziehen?

Die dritte Option besteht darin, in der Stresssituation die Erregung kurzfristig zu steuern. Hier ist Bewegung der Königsweg, da körperliche Aktivität den stressbedingt aus dem Gleichgewicht geratenen Hormonhaushalt wieder ins Lot bringt.

Drei Wege zur Stresssteuerung

Zur Stressbewältigung können wir erstens bei den Stressoren ansetzen (also die Weltverändern) oder zweitens beim Menschenansetzen (also uns selbst und unsere Wahrnehmung der Situation verändern). Die dritte Option besteht darin, in der Stresssituation die Erregung kurzfristig zusteuern. Hier ist Bewegung der Königsweg, da körperliche Aktivität den stressbedingt aus dem Gleichgewicht geratenen Hormonhaushalt wieder ins Lot bringt. „Stop-Codes“ und „So tun als ob“ als bewährte Techniken aus dem Leistungssport sind ebenso geeignet wie kurzfristige Atem-Entspannungsübungen und Refraiming (Umdeutung). Einen längeren Atem benötigen wir beider zweiten Option, wenn wir uns selbst und unsere Wahrnehmung der Situationverändern wollen. Bausteine hierfür sind„Kompetenzen erwerben“, das Kennenlernen der eigenen inneren Antreiberund (auch hier) regelmäßiger Sport als Ausgleich.

Drei wichtige Aspekte zum Abschluss

Trotz der Kürze dieses Artikels möchte ich auf drei Aspekte gesondert eingehen: auf Konzentration - versus Multi-Tasking, auf die Wichtigkeit von Pausen und das „Anders sein“.

Konzentration

Ohne Konzentration sind Höchstleistungen nicht zu erzielen. Ohne dieMöglichkeit, sich bedingungslos in eineSache zu vertiefen, ist auch der Zustanddes „Flow“, in dem man sich im Tunnelbefindet und Aufgaben scheinbar mühelos bewältigt, nicht erreichbar. Multi-Tasking hingegen verhindert diese Ausführungsqualität. Im Business wie im Sport. Gerne beweise ich Ihnen das in der Praxis.

Pausen

Eine weitere Voraussetzung für Höchstleistungen ist das obengenannte Prinzip von Belastung und Erholung. Ideal sind größere Pausen alle 2 Stunden oder zumindest die von der Sportwissenschaft so genannten„lohnenden Pausen“, bei denen eine 80%-ige Regeneration erreicht wird (bereits eine 10- bis 15-minütige Auszeit an einem stillen Ort kann im Alltag diesen Effekt bewirken). Aber auch Mikropausen mit Bewegung (denn statisch gelingt weniger) und für die Augen (Blicksteuerung) sind kein Zeitverlust, sondern lohnende Investitionen.

Der eigene Weg – anders sein

Dazu zwei persönliche Fragen:

1.Sind die Persönlichkeiten, die Siebewundern, angepasst oder „eigen“?

2.Gönnen Sie sich manchmal auch ihren ganz eigenen Weg - mit Ecken und Kanten und Ihren individuellen Stärken und Schwächen?

Im Sport müssen für den Erfolg die Stärken entwickelt werden, um Punkte zu erzielen und Tore zu schießen. Das Ausgleichen von Schwächen führt zu Mittelmaß, die ständige Beschäftigung mit Schwächen führt zu Entmutigung.

Im Sport spielen wir dann „gegen die Niederlage“.

Distanzieren Sie sich von scheinbar Wichtigem und Dringendem: Legen Sie Ihre eigenen Prioritäten fest.

Sie bestimmen, was Sie Ihre Aufmerksamkeit schenken. Lassen Sie„Unrat“ vorbeischwimmen.

Ignorieren Sie Gerüchte. Jeder Satz,der nicht zu Ihnen direkt gesprochen wird, ist nicht existent.

Das wären große Schritte in ihrempersönlichen Stressmanagement hin zur Spitzenleistung. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie Ihre beruflichen wie privatenZiele erreichen. Das ist Erfolg. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie diese Erfolge dann auch genießen.

Das ist Glück!