VDMA: Antriebstechnik von morgen erhält eine neue Dimension

25.01.2017 14:13

VDMA: Antriebstechnik von morgen erhält eine neue Dimension

Auch 2016 war kein Wachstumsjahr für die Antriebstechnik. Deshalb gilt es gerade jetzt, neue Chancen für Wachstum zu nutzen und die Vision von der digitalisierten und vernetzten Industrie umzusetzen.

VDMA: Antriebstechnik von morgen erhält eine neue Dimension

Auch 2016 war kein Wachstumsjahr für die Antriebstechnik. Deshalb gilt es gerade jetzt, neue Chancen für Wachstum zu nutzen und die Vision von der digitalisierten und vernetzten Industrie umzusetzen. Die Antriebstechnik spielt dabei eine entscheidende Rolle, denn von ihr kommen die intelligenten Komponenten, Systeme und Lösungen, die die Fabrik von morgen antreiben werden. Der Erfolg bei der Digitalisierung entscheidet über unsere zukünftige Wettbewerbsfähigkeit und bietet neue Wachstumschancen.

Die deutsche Antriebstechnik ist technologisch weltweit führend und trotz eines schwierigen Marktumfelds erneut Exportweltmeister. Grundlage für diesen Erfolg ist der Dreiklang aus innovativen, technisch führenden Qualitätsprodukten, einer starken Forschung und Entwicklung und nicht zuletzt engagierten und gut qualifizierten Mitarbeitern. Mit über 89 000 Beschäftigten im Jahr 2015 (Vorjahr 88 300) konnte die Beschäftigung in der Antriebstechnik in Deutschland zulegen und hat damit das Niveau des Rekordjahres 2008 erreicht. Die Antriebstechnik ist die größte Einzelbranche im deutschen Maschinen- und Anlagenbau und deren größter Arbeitgeber. Es spricht für die Stärke der Branche, dass das hohe Niveau der Beschäftigung und der Produktion in Deutschland gehalten werden kann, obwohl die Produktivität zugenommen hat und schätzungsweise ein Drittel der Wertschöpfung, mit steigender Tendenz, inzwischen im Ausland stattfindet. Hier zeigt sich ein Trend, der sich aus Gesprächen mit Vertretern der Branche abzeichnet: Während die Antriebstechnikunternehmen aus Deutschland mit Produk­tion in den Wachstumsregionen der Welt zulegen, um mit Produkten und Dienstleistungen vor Ort zu sein, gewinnt Deutschland als Headquarter-Standort mit zentralen Funktionen wie F&E, Controlling, Marketing- und Vertriebsstrategien an Bedeutung. Mit Industrie 4.0 erwächst jedoch auch eine neue Chance, den Produktions­standort Deutschland noch wettbewerbsfähiger zu gestalten.

 

Produktion der deutschen Antriebstechnik von 2000 bis 2016

Antriebstechnik aus Deutschland weltweit gefragt

Die deutsche Antriebstechnik behauptet seit vielen Jahren ihre Rolle als technolo­gischer Weltmarktführer und Exportweltmeister – trotz zuletzt schwierigem Markt­umfeld. So lag die Produktion der deutschen Antriebstechnik 2015 bei rund 16 Mrd. EUR. Der Export konnte leicht um 1,8 % auf 13,7 Mrd. EUR zulegen, bei einer Exportquote von 86 %. Damit hält die deutsche Antriebstechnik 20 % (2014: 21 %) der weltweiten Exporte von Antriebstechnik und ist global nach wie vor die Nummer eins, gefolgt von China mit 15 % und Japan und den USA mit jeweils 10 %. Das weltweite Handelsvolumen für Antriebstechnik hat 2015 um 7 % auf 68,3 Mrd. EUR zugenommen. Die wichtigsten Märkte für den Export deutscher Antriebstechnik sind Europa mit 58 %, Asien mit 23 % und Nordamerika mit knapp 12 %.

 

Umsatzentwicklung der deutschen Antriebstechnik und des Maschinenbaus seit 1985

Marktlage und Ausblick

Nach 2015 entwickelt sich auch 2016 zu e­inem schwierigen Jahr für die Antriebstechnik. Die deutsche Produktion der Antriebstechnik steckt weiterhin in einer unbefriedigenden konjunkturellen Entwick-lung. Umsatz und Auftragseingang sind im Vergleich zum Vorjahr rückläufig: Für den Zeitraum Januar bis August dieses Jahres weist der Umsatz im Vergleich zu 2015 ein Minus von 10 % und der Auftragseingang ein Minus von 11 % auf. Die Entwicklung ist aktuell zweigeteilt: Automationslastige und konsumnahe Kundengruppen lassen ein positives Ergebnis für das Jahr erwarten, die klassischen Industriekunden – Öl, Rohstoffe, Mining, Fördertechnik, Energie (außer Wind) – und auch der Bereich mobiler Anwendungen – rechnen tendenziell mit einem Minus. Der Bereich der Windkraft zeigt ­aktuell jedoch ein Wachstum. Auch der Blick auf den Globus erlaubt keine eindeutige Einschätzung: China fällt als Wachstumsmotor weitgehend aus und aus den USA kommen keine Impulse, die Nachfrage aus Europa dagegen lässt hoffen. Zusammenfassend schätzt Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer im VDMA ­sowie Geschäftsführer des VDMA-Fachverbandes Antriebstechnik, die Lage so ein: „Das prognostizierte Plus für 2017 von 1 % für den Maschinenbau, unserer wichtigsten Kundengruppe, ist ein positives Signal für die Antriebstechnik. Und wir blicken zuversichtlich in die Zukunft: Ein Investitionsstau der letzten Jahre, die Innovationsfreudigkeit der Unternehmen und die Tatsache, dass den Antriebstechnikern im Umfeld von Industrie 4.0 eine Schlüsselfunktion zukommt, eröffnen der Branche neue Wachstumspotenziale, die es zu nutzen gilt.“

 

Der größte deutsche Exportmarkt liegt mit 58 % in Europa 

Forschung und Digitalisierung sichern Zukunft

Innovationsfähigkeit und Spitzentechnologie sind wesentliche Voraussetzungen, um auch künftig die führende Rolle im globalen Wettbewerb zu behaupten. Die deutschen Unternehmen der Antriebstechnik setzen deshalb ganz bewusst auf Forschung und Entwicklung und gestalten aktiv den Wandel hin zu neuen Technologien wie der Digitalisierung und Vernetzung. Gleichzeitig muss man auch in den traditionellen Ziel-feldern, wie Energieeffizienz, Total Cost of ­Ownership, Leistungsdichte, Lebensdauer, Umweltverträglichkeit, „Time to Market“, in der Führungsrolle bleiben.
„Die Umsetzung von Industrie 4.0 ist heute eine der größten Herausforderungen für die Antriebstechnik. Neue Geschäftsmodelle auf Basis datenbasierter Kundenservices müssen zur Marktreife entwickelt werden. Hier bieten sich enorme Wertschöpfungspotenziale, die im globalen Wettbewerb von wichtiger Bedeutung sind. Entscheidend ist es, frühzeitig die passenden Geschäftsmodelle zu entwickeln, die einen höheren Nutzen für die Kunden bringen. Predictive Maintenance zeigt, wie der Industrie-4.0-Gedanke in die Praxis umgesetzt werden kann. Die vorausschauende Instandhaltung ist ein Nutzen, der sich ­direkt aus der Vernetzung ergibt. Die deutsche Antriebstechnik ist hier in einer starken Position, denn wir verbinden Big Data mit Big Thinking, Korrelation mit Kausalität. Die Antriebstechnik enthält eine neue ­Dimension in der Wertschöpfungskette“,­ so Hartmut Rauen.

 

2015 hat der Welthandel mit Antriebstechnik um 7 % zugenommen 

Qualifizierte Mitarbeiter sichern den Erfolg

Qualifizierte und motivierte Fachkräfte sowie gut ausgebildeter Nachwuchs werden in Zukunft noch wichtiger für den Erfolg, denn Industrie 4.0 wird auch die Arbeitswelt in der Antriebstechnik verändern. Neue Berufs-felder – wie zum Beispiel das vom VDMA ent-wickelte Berufsbild Produktionstech­nologe – werden entstehen. Mitarbeiter mit entsprechenden Fähigkeiten sind recht­zeitig zu gewinnen und fortzubilden. „Als VDMA gehen wir hier neue Wege. Gemeinsam mit dem Start-up-Unternehmen University 4 Industry (U4I) haben wir unseren Leitfaden zur Industrial Security in ein wegweisendes Online-Bildungsformat umgesetzt“, so Hartmut Rauen.