Wachstumsstarke Volkswirtschaft: Die Slowakei - wichtiger Handelspartner für Deutschland

03.01.2017 10:45

Wachstumsstarke Volkswirtschaft: Die Slowakei - wichtiger Handelspartner für Deutschland

Bratislava (GTAI) - Mit nur 5,4 Mio. Einwohnern gehört die Slowakei zu den kleineren Ländern der EU: Doch ihre Bedeutung als Wirtschaftspartner Deutschlands ist überproportional groß. Dazu trägt vor allem der hohe Anteil der Industrie bei.

Als Absatzmarkt liegt die Tatrarepublik sogar vor Indien, Brasilien oder Mexiko. Dazu trägt vor allem der hohe Anteil der Industrie bei, in der rund ein Viertel der Wirtschaftsleistung entsteht. Besonders die Automobilbranche hat dafür gesorgt, dass das Bruttoinlandsprodukt der Slowakei in den vergangenen zwölf Jahren mehr als dreimal so stark gewachsen ist wie der Durchschnitt der EU-28-Länder.

In der Industrie sorgt die expandierende Automobilindustrie für Bedarf an Kunststoffen, Gummierzeugnissen, Lacken und Farben. Schon jetzt rollen rund 1 Mio. Autos jährlich von slowakischen Fließbändern. Der Ausstoß wird ab 2018 schrittweise um 300.000 Kfz steigen, wenn Jaguar Land Rover eine Fabrik in Nitra eröffnet. Auch Kia, PSA und Volkswagen sind auf Wachstumskurs. Das zieht neue Zulieferer an, darunter viele Kunststoffverarbeiter. Auch die Produktion von elektrischen Ausrüstungen legt zu, sodass mehr Kabel, Batterien und Isolationsmaterial benötigt werden.

Nach Prognosen der EU-Kommission wird die Slowakei 2018 mit einem BIP-Anstieg von 3,8% die wachstumsstärkste Volkswirtschaft in Europa sein, vor allem dank ihrer steigen Pkw-Exporte. Dabei profitiert das mittelosteuropäische Land von einer immer besseren Zuliefererstruktur. Schon über 300 Teilehersteller produzieren vor Ort. Zunehmend investieren die Kfz-Zulieferer dabei auch in eigene Entwicklungsabteilungen.

Der starke Fokus auf die Automobilbranche und auf die Elektronikindustrie (Samsung, Foxconn, Panasonic haben eigene Fabriken) macht die Slowakei jedoch abhängig von Konjunkturschwankungen auf den Weltmärkten. Der kleine Binnenmarkt kann einen Einbruch der Auslandsnachfrage nicht auffangen. Denn das Exportvolumen entspricht fast der gesamten Wirtschaftsleistung (BIP 2015: 78,7 Mrd. Euro, Exporte 73,6 Mrd. Euro). Etwa 85% der Ausfuhren gehen in die EU.

Die slowakischen Importe an Chemieerzeugnissen (SITC-Kategorie 5) sind 2015 um 7% auf 5,8 Mrd. Euro gestiegen. Davon entfiel ein Fünftel auf Lieferungen aus Deutschland. Wichtigste Einfuhrposition sind Pharmaerzeugnisse vor Kunststoffen in Primärformen. Die größten Importzuwächse gab es 2015 aber bei Pflanzenschutzmitteln, Farben und Lacken.

Neben Deutschland sind die benachbarten Visegrad-Staaten die größten Lieferanten für Chemieprodukte. Bei Düngemitteln dominierten 2015 Polen und Ungarn, bei Arzneimitteln lagen Tschechien und die Niederlande vorn.

Im Außenhandel mit Chemieerzeugnissen hat die Slowakei ein erhebliches Defizit, das 2015 über 2,6 Mrd. Euro betrug. Allein bei Medikamenten beträgt der Importüberschuss fast 1,2 Mrd. Euro. Die wichtigsten Abnehmerländer sind Tschechien, Deutschland und Polen.

 

 

Quelle: Gerit Schulze, Germany Trade and Invest (GTAI), November/ Dezember 2016

Weitere Infos finden Sie auf der Website von Germany Trade and Invest/Tschechien.

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