drive&control local Ausgabe 02-2016, Überblick



Beschreibung

Im Flüsterton: Elektromobilität auf dem Futtertisch


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Europa Mitte

local

02 | 2016

Im Flüsterton:

Elektromobilität auf

dem Futtertisch

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Eine emissionsfreie Alternative zu Benzin,
Diesel oder Erdgas: In der Detmoldstraße in
München hat Linde eine konventionelle
TOTAL-Tankstelle um zwei Zapfanlagen für
Wasserstoff erweitert. Die Bevorratung des
sehr leichten Gases erfolgt in tiefkalt
verflüssigter Form unterirdisch in einem
besonders isolierten Tank. Die Herausforde-
rung des Projektes bestand daher unter
anderem darin, eine Technik zum Einsatz zu
bringen, die auch bei tiefen Temperaturen
um minus 250 Grad Celsius sicher arbeitet.
Mit einer besonderen Pumpentechnik ist es
Linde dabei gelungen, die Kundenfahrzeuge
direkt aus dem Tank heraus in wenigen
Minuten mit Kraftstoff zu versorgen. Weil
dafür hohe Kräfte notwendig sind, nutzte
Linde hydraulische Antriebstechnik von
Rexroth.
Neben der Positioniergenauigkeit der Linear-
achse und den maximalen Anforderungen an
die funktionale Sicherheit bildete die Ener-
gieeffizienz die dritte Herausforderung im
gemeinsamen Entwicklungsprojekt von
Linde und Bosch Rexroth. Hier spielen die
drehzahlvariablen Pumpenantriebe Sytronix

Pack den Wasserstoff in den Tank

Erfolgsgeschichte für

die Schweizer Industrie

Das Jahr 2016 steht für die Bosch Rexroth
Schweiz AG ganz im Zeichen des 50-jäh-
rigen Firmenjubiläums. Was 1966 in Zürich
begann, entwickelte sich in fünf Jahr-
zehnten zu einer Erfolgsgeschichte für die
Schweizer Industrie.
Mit einem breiten Produktportfolio aus
Hydraulik, Linear- und Montagetechnik
sowie elektrischer Antriebs- und Steue-
rungstechnik und einem exzellenten Anwen-
dungs-Know-how seiner Mitarbeiter konnte
das Unternehmen in 50 Jahren zahlreiche
Groß- und Serienprojekte realisieren, über

von Rexroth ihre Vorteile voll aus. Dieses
System ist darauf ausgelegt, nur dann
hydraulischen Druck zu erzeugen, wenn
dieser auch wirklich benötigt wird. Für die
Wasserstofftankstelle bedeutet dies, dass
die Pumpen nur dann ihre Kraft aufbringen,
wenn ein Auto an der Zapfsäule steht.

Wasserstoffmobilität entwickelt sich mehr
und mehr zu einem internationalen Infra-
strukturthema. Japan zum Beispiel hat sich
vorgenommen, bis zu den Olympischen
Spielen 2020 deutlich mehr Brennstoffzel-
lenfahrzeuge einschließlich der dazugehö-
rigen Infrastruktur auf den Weg zu bringen.

die in den nächsten Wochen eine Jubilä-
ums-Microsite ausführlich berichtet. Lesen
lohnt sich …
▷ www.boschrexroth.ch/50

◀  Fünf spannende

Erfolgsgeschich-
ten aus fünf
Jahrzehnten –
ein Klick auf die
Jubiläums-Micro-
site lohnt sich.

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02 | 2016

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Bosch Rexroth setzt im Bereich Mobilhydraulik zukünftig auf die
Zusammenarbeit mit erfolgreichen und markterfahrenen Systemin-
tegratoren. Dafür konnten deutschlandweit fünf namhafte Partner
gewonnen werden, die gemeinsame Kunden vor Ort in allen Projekt-
phasen begleiten – von der Planung über die Konstruktion bis zur
Inbetriebnahme. Als Experten für die Mobilelektronik und Software-
Entwicklung werden die GIGATRONIK Holding GmbH, die REIN-
HOLZ Software & Technology GmbH und die Max Wild GmbH ihr
Know-how einbringen. Für Hydraulik-Applikationen stehen die
Spezialisten der Otto Zimmermann GmbH, der Max Wild GmbH
und der HK HYDRAULIK-KONTOR GmbH zur Verfügung.
▷  www.boschrexroth.de/vertriebs partner

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Starke Partner,

nah am Kunden

Integriertes Mess system IMS-A

überzeugt Anwender

Als beste Innovation konnte sich das
integrierte Messsystem IMS-A von
Rexroth einen der begehrten HELLER
Supplier Awards 2016 sichern. Der
Werkzeugmaschinenspezialist Heller
richtet seit 2013 alljährlich den Supplier
Day aus, der neben der Wertschätzung
für die Top-Lieferanten auch Ausdruck
der ständigen Weiterentwicklung der
Partnerbeziehungen ist.  IMS-A kombi-
niert die Funktionen Führen und Messen
auf einzigartige Weise, erfasst die abso-

„MM Award“ für i4.0-

Fertigungslinie

Auf der Fachmesse AUTOMATICA wurde im Juni 2016 die
modulare i4.0-Demonstrationsanlage von Bosch Rexroth mit
dem Innovationspreis „MM Award“ ausgezeichnet. Ausgelobt
wird der Preis vom Fachmagazin Maschinenmarkt für die inno-
vativsten Exponate der internationalen Fachmesse für Automa-
tion und Mechatronik. Überzeugen konnte die Anlage, die auf
der diesjährigen Hannover Messe erstmals vorgeführt wurde,
in der Kategorie „Automatisierung“.
Die Fertigungslinie ist Teil des Lösungsportfolios Connected
Automation von Rexroth, das Anwendern in der Fabrikautoma -
tion vernetzte Lösungen für Industrie 4.0 bietet.
▷ www.boschrexroth.com/connected-automation

◀  Steffen Winkler,

Leiter Vertrieb
Fabrik automation,
und Volker Jesber-
ger, Vertrieb Ferti-
gungstechnologie,
bei der Preisver-
leihung auf der
Automatica.

◀  Stephan Schnädter, Leiter Einkauf &

Logistik HELLER (re.), bei der Überrei-
chung des HELLER Supplier Awards an
Guido Hettwer, Vorsitzender der
Geschäftsleitung Vertrieb Europa Mitte
bei Bosch Rexroth.

lute Position und arbeitet dabei auch in
robustem Umfeld hoch präzise.
▷ www.boschrexroth.de/ims

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drive & control local

Im Flüsterton: Elektromobilität

auf dem Futtertisch

Mit dem neuen 1160 eHoftrac® von Weidemann gehören Dieselabgase und Lärm in landwirt-
schaftlichen Betriebsgebäuden der Vergangenheit an. Damit die mobilen Arbeitsmaschinen
mit ihrem elektrischen Antrieb so leise unterwegs sind, setzt Weidemann bei der Arbeits-
hydraulik die geräuschoptimierte Außenzahnradpumpe SILENCE PLUS von Rexroth ein.

Welche Vorteile leise und abgasfreie Arbeitsmaschinen bringen,
zeigt der Blick hinter dänische Tiergehege. Der Zoo in Kopenha­
gen zählt seit Jahren zu den Kunden von Weidemann und war
einer der ersten Betriebe, die den Typ 1160 eHoftrac® im täg­
lichen Betriebsalltag auf Herz und Nieren testeten. Um es vorweg­
zunehmen: Die Erfahrungen beim intensiven Praxistest waren so
gut, dass der Zoo kürzlich ein weiteres Fahrzeug bestellt hat.
Der Hoflader besitzt zwei Elektromotoren – einer dient als Fahr­
antrieb, der zweite treibt die Außenzahnradpumpe SILENCE
PLUS für die Arbeitshydraulik an. Mit dieser Zweiteilung steigt
die Energieeffizienz des Fahrzeugs, was sich eins zu eins in mehr
Betriebszeit pro Ladezyklus niederschlägt. Der Fahrantrieb ver­
braucht nur dann Strom, wenn der Hoflader wirklich fährt. Glei­
ches gilt für die Hydraulikpumpe, die erst dann vom Elektromo­
tor angetrieben wird, wenn hydraulischer Druck gefordert ist. Die
stufenlose Drehzahlsteuerung per Wechselrichter sorgt zudem
dafür, dass beide Motoren immer mit der bedarfsgerechten Dreh­

zahl unterwegs sind. Dadurch wird der Energieverbrauch mini­
miert, denn die Leistung wird nur bedarfsbezogen abgefordert.
Weidemann gibt die durchschnittliche Reichweite des Fahrzeugs
mit zwei bis fünf Stunden an – je nach Einsatzbedingungen und
Energieabnahme. Die Ladezeit der Batterie liegt zwischen sechs
und acht Stunden, je nachdem welche Batterie eingesetzt wird.
Zwischenladungen sind jederzeit möglich. Da in den Betrieben, in
denen der 1160 eHoftrac® seinen Einsatz findet, häufig morgens
und abends mit der Maschine einige Stunden gearbeitet wird,
können diese Zyklen problemlos Anwendung finden.
Zusätzliche Einsparungen der Betriebskosten lassen sich künftig
erschließen, wenn auf den Gebäuden eine Photovoltaikanlage
installiert ist. Weil es aktuell attraktiver ist, den erzeugten Strom
selber zu nutzen, statt ihn für wenige Cent ins Netz zu speisen,
sind Lösungen wie der 1160  eHoftrac® eine sehr gute Möglich­
keit, den selbst erzeugten Strom für das Laden der Fahrzeug­
batterie zu verwenden.

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Längere Nutzungszeiten

Mit diesem großen Schritt bei der Geräuschreduzierung land­
wirtschaftlich genutzter mobiler Maschinen erschließt Weide­
mann für seine Kunden messbare Kostenvorteile. Weil sich die
leisen, abgasfreien Fahrzeuge auch zu Zeiten nutzen lassen, wäh­
rend derer in einem Zoo oder auf einem Reiterhof Hochbetrieb
herrscht, lässt sich die komplette Organisation auf den ganzen
Tag verteilen – ohne die Besucher oder die Reiter nennenswert zu
stören. Die Kombination aus Elektroantrieb und einer flüsterlei­
sen, autark angetriebenen Hydraulik steigert folglich die Pro­
duktivität eines Betriebes und sorgt auch für Wettbewerbsvor­
teile. „Gerade im Umland der Metropolregionen stehen
Reiterhöfe in spürbarer Konkurrenz zueinander. Reiter wollen in
Ruhe ihre Zeit mit ihrem Pferd verbringen. Wer seinen Betrieb
leise und abgasfrei bewirtschaftet, sammelt Pluspunkte“, bringt
es Weidemann­Marketingleitung Christina Heine auf den Punkt.
Ein weiterer Vorteil aus Fahrersicht besteht darin, dass dieser
die Umgebungsgeräusche von Kollegen, Tieren oder Besuchern
wesentlich besser wahrnehmen und schneller darauf reagieren
kann. Das Unternehmen aus dem nordhessischen Diemelsee­
Flechtdorf war deshalb auf der Suche nach einer Alternative und
wurde als langjähriger Kunde von Bosch Rexroth schnell fündig.
Mit der Außenzahnradpumpe SILENCE PLUS steht eine Lösung
zur Verfügung, die leise arbeitet und dabei eine ähnliche Fre­
quenz erzeugt wie der Elektromotor.
Die SILENCE PLUS Hydraulikpumpe fügt sich mit ihrem ange­
nehmen tiefen Klang harmonisch in die leisen Betriebsgeräusche
des Antriebsmotors ein. Während das Geräusch der Hydraulik­

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tos: W

eidemann GmbH

Mit der SILENCE PLUS hat Rexroth eine Hydraulikpumpe
entwickelt, die sich in puncto Leistung und Geräuschemission
sehr gut für elektromotorische Anwendungen eignet. Neben
den Einsatzgebieten des 1160 eHof trac®  im Zoo Kopenhagen,
auf vielen Milchviehbetrieben, auf Reiterhöfen und in Tier-
zuchtbetrieben, in der Hotellerie, im öffentlichen Bereich oder
aber auf Friedhöfen zählen auch generelle Anwendungen in
Traktoren, Gabelstaplern und Bussen im mobilen sowie in
Müll- und Papierpressen im stationären Bereich dazu. Das
geringe Eigengeräusch macht es leichter, gesetzliche Grenz-
werte ohne teure Sekundärmaßnahmen der schalltechnischen
Entkoppelung, Dämpfung und
Kapselung zu erreichen. Die
Kompatibilität der SILENCE
PLUS Außenzahnradpumpe
mit anderen Rexroth-Pumpen
ermöglicht die problemlose
Nachrüstung.

Fazit

▲  Die Zoo-Mitarbeiter sind nicht mehr auf die eng bemessenen

Zeitfenster morgens und abends angewiesen, sondern können
die leisen Fahrzeuge auch dann nutzen, wenn in einem Zoo
reger Besucherbetrieb herrscht.

pumpe im Umfeld des deutlich lauteren Dieselmotors akustisch
untergeht, „war sie in der Kombination mit einem Elektromotor
auf einmal deutlich hörbar“, blickt Christina Heine zurück. „Ein
hohes Summen, das die Fahrgeräusche überlagert, konnten wir
beim Arbeiten im direkten Tierumfeld nicht gebrauchen.“
Generell bewähren sich Außenzahnradpumpen seit Jahrzehnten
als robuste Einheiten für Drücke bis 280 bar. Mit einer Reihe kon­
struktiver Verbesserungen hat Rexroth bei der SILENCE PLUS
die Geräuschemissionen um bis zu 15 dB(A) im Vergleich zu her­
kömmlichen Pumpen senken können. Der leise Betrieb ist unter
anderem die Folge eines spielfreien schrägen Zahnprofils, das
den Quetschöleinschluss sicher verhindert – was in der weiteren
Folge Vibrationen und Strömungsgeräusche eliminiert.

Gesundheit und Umweltschutz

Besonders attraktiv fällt der Elektroantrieb unter Nachhaltig­
keitsgesichtspunkten dann aus, wenn die Batterien mit Strom
geladen werden, der selbst mit PV­Anlagen, Biomasse oder Wind
erzeugt wurde. Der positive Beitrag zum Klimaschutz unterstützt
die ambitionierten Ziele des Pariser Abkommens von 2015.
Darüber hinaus wirkt sich diese Technik positiv auf die Gesund­
heit von Mensch und Tier aus. Vor allem in Bestandsgebäuden,
die häufig niedrige Deckenhöhen aufweisen und über einen
begrenzten Luftaustausch verfügen, verbessert der Elektroan­
trieb die Luftqualität, weil Dieselabgase der Vergangenheit ange­
hören. Weniger Schadstoffe und Feinstaub fördern so die
Gesundheit des Tierbestandes und der Mitarbeiter gleicherma­
ßen. 

Kontakt: Christian Boehmcker, Bosch Rexroth AG, DC-MA/SPZ2, Deutschland,
+49 711 811-20477, christian.boehmcker@boschrexroth.de

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Innovation ohne Kabelsalat

Dezentrale Antriebstechnik spielt eine zentrale Rolle in der Erforschung alternativer
Produktionsverfahren für den Flugzeugbau.

turen sowie der weltweit führende Liefe­
rant von Automatisierungslösungen im
Flugzeugbau, Broetje­Automation. Eine
flexible Fügevorrichtung war Vorausset­
zung für die Verarbeitung der FVK­Plat­
ten und die anschließende Untersuchung
der Material­ und Klebeeigenschaften.
Denn die beiden Dach­ und Seitenein­
heiten eines Flugzeugs, die es zu erpro­
ben galt, wurden aus mehreren Bügeln
(Schablonen) zusammengestellt.

… mit dezentralen Antrieben

Vor dem automatischen Fügen durch einen
Roboter werden die FVK­Platten von den
Schablonen über mehrere Sauger aufge­
nommen, die von je einer Lineareinheit aus

Beim Flugzeugbau zählt jedes Gramm.
Deshalb erforschte das Fraunhofer­Insti­
tut für Fertigungstechnik und ange­
wandte Materialforschung (IFAM) die
automatisierte klebetechnische Montage
faserverstärkter Kunststoffplatten
(FVK). Die erste Testanlage im „CFK­Val­
ley“ bei Stade entstand in Kooperation
mit dem Anlagenbauer Broetje­Automa­
tion und Bosch Rexroth als Lösungspart­
ner. Dessen dezentrale Antriebstechnik
IndraDrive Mi sorgt für die geforderte
Flexibilität der Fügevorrichtung und
reduziert die Kabellänge im Vergleich zu
konventionellen Lösungen um 87 Pro­
zent. Die Schaltschrankfläche  verringert
sich um 72 Prozent.

Die im Schiffsbau bewährte Spantenbau­
weise bringt auch bei Flugzeugen entschei­
dende Stabilitäts­ und Gewichtsvorteile.
Ist die Hülle zudem aus faser verstärktem
Kunststoff (FVK), sind weitere Verbesse­
rungen möglich. Als kostengünstige Alter­
native zu den bisherigen Verfahren
erforschte das Fraunhofer IFAM im Rah­
men eines Verbundprojektes des Bundes
ein automatisiertes, klebetechnisches
Fügen von FVK­Platten.

Flexibler Bauplatz …

Zum Projektkonsortium zählten neben
dem Fraunhofer IFAM ein großer euro­
päischer Flugzeugbauer, ein weltweit
führender Lieferant von Flugzeugstruk­

▲  Im „CFK-Valley“ bei Stade testet das Fraunhofer IFAM die automatisierte Montage faserverstärkter Kunststoffplatten (FVK) für die

Flugzeughülle.

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elektromechanischem Zylinder (EMC),
Servomotor und dezentralem Servoan­
trieb IndraDrive Mi gesteuert werden.
Broetje­Automation, der das Vorkonzept
erstellte und die Dacheinheit baute, hatte
sich für Bosch Rexroth als Lösungspart­
ner ausgesprochen. „Der flexible Bau­
platz erforderte zwingend ein modulares
und dezentrales Antriebssystem“, erklärt
Holger Tietje, Operativer Leiter des zur
Broetje­Automation Gruppe gehörenden
Unternehmens Compose 2 Compete.
„Dank der Komplettlösung von Rexroth
konnten wir dem IFAM ein zugleich inno­
vatives und leistungsfähiges Konzept
vorstellen, mit dem die Forscher die
Anzahl der Schablonen und EMCs in
Abhängigkeit vom jeweiligen Bauteil
beliebig variieren können.“

Flexibel für modulare Systeme

Die hohen Anforderungen nach Flexibili­
tät und Modularität erfüllt das dezentrale
Antriebskonzept unter anderem mittels
eines Hybridkabels. Neben der Versor­
gung und Steuerung der Servomotoren
lassen sich darüber einfache I/O­Signale
übertragen. Für Holger Tietje ist die Rex­
roth­Lösung dank dieser Eigenschaften
auch für komplexe Produktionssysteme
interessant sowie für verfahrbare, künf­
tig vielleicht sogar mobile Fügesysteme.
„Die Baukastenlösung von Rexroth ist
bezüglich ihrer Funktions­ und Zukunfts­
sicherheit weit fortgeschritten. Das gilt
im Übrigen auch für die Verwendung
offener Schnittstellen wie OPC UA im
Zusammenhang mit der Software­Lösung
Open Core Engineering.“

Industrie-4.0-weisende Anlage

Nachdem Broetje­Automation alle Funk­
tionen erfolgreich getestet hatte, ging die
Dacheinheit an das IFAM, das mit dersel­
ben dezentralen Antriebstechnik die Sei­
teneinheit der Flex­Bau­Vorrichtung
erstellte. Im Hinblick auf ein möglichst
breites Einsatzspektrum des neuen Ver­
fahrens legten die Wissenschaftler neben
der kompakten Bauweise mit integrierter

Steuerung großen Wert auf eine hohe
Positioniergenauigkeit, Traglast und
Automatisierungsfähigkeit. Eine weitere
Anforderung bildete die Kraftüberwa­
chung anhand der Motorströme. Weil
diese Funktion in den Rexroth­Antrieben
bereits softwareseitig hinterlegt war,
brauchten keine zusätzlichen Sensoren
in das System integriert zu werden. „Über
den in der Steuerung integrierten OPC­
UA­Server lassen sich die Geometrie­
daten der Schalen, die mittels komplexer
Algorithmen durch einen separaten
Rechner ermittelt werden, in der ganzen
Anlage verfügbar machen“, erklärt
IFAM­Projektingenieur Daniel Valencia.

Smart und schaltschranklos

Momentan erfolgt die Steuerung der
dezentralen Antriebe über eine Fremd­
SPS, was sich laut Daniel Valencia trotz­
dem sehr einfach realisieren ließ und die
Schaltschrankfläche im Vergleich zu
einem konventionellen Antrieb um 72
Prozent auf 0,2 m

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begrenzte. Der Unter­

schied bei der Verkabelung ist nicht min­
der ausschlaggebend für die Wahl der
Rexroth­Lösung. Allein bei der Seiten­
einheit der Anlage kommt deren dezen­
trale Antriebstechnik mit nur sechs

Hybridkabeln und 147 Metern Gesamt­
länge aus. Das sind 87 Prozent weniger
gegenüber der herkömmlichen Lösung.

Komplettlösung überzeugt

Mit seiner Testanlage in Stade hat das
Fraunhofer IFAM ein zukunftsweisendes
Anwendungsfeld für den Einsatz von
FVK­Platten erforscht, dessen Bedeu­
tung sich über alle Branchen erstreckt,
die leichte, formstabile und kostengün­
stige Bauteile benötigen. Es ist dem IFAM
gelungen, die bisher manuelle Spant­
montage durch einen vollständig auto­
matisierten Ablauf zu ersetzen. Im Hin­
blick auf eine künftige Serienfertigung ist
darüber hinaus für die nötige erforder­
liche Antriebsintelligenz gesorgt.
„Bosch Rexroth hat uns mit einem klaren
Konzept, einer gelungenen Komplettlö­
sung und gutem Support mit schnellen
Reaktionszeiten überzeugt“, so das Fazit
von Daniel Valencia, „und damit wesent­
lichen Anteil an der termingerechten
Realisierung unserer Versuchsanlage.“ 

Kontakt: Peter Winberg, Bosch Rexroth AG,
DCEM/SLC-N, Deutschland, Tel. +49 4161 500230,
peter.winberg@boschrexroth.de

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▲  Die von Broetje-Automation gefertigte Dacheinheit der Fügevorrichtung besteht aus vier

Schablonen mit jeweils 10 Lineareinheiten mit der dezentralen, schaltschranklosen
Antriebstechnik IndraDrive Mi von Rexroth.

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Impressum

drive&control local ist die Infobeilage der
Regionalgesellschaften der Bosch Rexroth AG.
Herausgeber Ausgabe Deutschland: Bosch
Rexroth AG, Vertrieb Europa Mitte, Markt-
platz 3, 97816 Lohr am Main. Verantwortlich
für den Inhalt:
Silke Lang, Leiterin Marketing,
Vertrieb Europa Mitte, Bosch Rexroth AG.
Koordination und Redaktion:
Karin Rosenkranz, Vertrieb Europa Mitte,
Bosch Rexroth AG, Tel.: +49 9352 18-1091,
E-Mail: karin.rosenkranz@boschrexroth.de
Gestaltung: Schleunungdruck GmbH,
Marktheidenfeld/Main. Lithografie: MDH
Printberatung, Wiesbaden-Schierstein. Druck:
Schleunungdruck GmbH, Marktheidenfeld/
Main. Hinweis: Nachdruck und Vervielfältigung,
insbesondere Kopien, auch auszugsweise, nur
mit Genehmigung des Herausgebers.

Fragen, Feedback, Änderungen?

Bitte richten Sie diese an:
karin.rosenkranz@boschrexroth.de

Weitere Informationen zu Themen
der Printausgabe erhalten Sie unter:

www.boschrexroth.de/trends-und-themen

Vorschau Messen und Events

Sindex

Bern

Halle 3.2, Stand B02

06. – 08.09.2016

SMM

Hamburg

Halle A1, Stand 428

06. – 09.09.2016

AMB

Stuttgart

Halle 4, Stand D12

13. – 17.09.2016

Motek

Stuttgart

Halle 4, Stand 4305

10. – 13.10.2016

EuroBlech

Hannover

Halle 11, Stand D06

25. – 29.10.2016

Alle Informationen zu unserem Messe- und Eventprogramm finden Sie unter:

www.boschrexroth.de/events_und_messen

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Mehr Effizienz, weniger Energiever­
brauch und möglichst einfach – das sind
die bestimmenden Trends, wenn in der
Zementindustrie von Mahlverfahren
gesprochen wird. Mühlen unterschied­
licher Bauart sind in den Zementwerken
von der Rohmehlerzeugung bis hin zur
pulverfeinen Zerkleinerung des gebrann­
ten Klinkers im Einsatz. Neben Vertikal­
und Kugelmühlen zählen Rollenpressen
zu den Universalkönnern mit breitem
Anwendungsspektrum.
Im Zuge steigender Ausbringungsleis­
tungen hat die österreichische Wopfinger
Baustoffindustrie GmbH die elektrome­
chanische Antriebstechnik bestehender
Rollenpressen auf hydraulische Direkt­
antriebe von Rexroth umgerüstet.
Erklärtes Ziel war es dabei, die Verfüg­
barkeit der Anlagen wirksam zu erhöhen.
Das Hauptziel der geplanten Umrüstung
zur Leistungssteigerung bestand darin,
die Verfügbarkeit der Rollenpresse so zu
steigern, dass die Anlage nachhaltig mit
einer „gesunden“ Auslastung produziert.
Da die begrenzte Fläche für bisher einge­

Feine Baustoffe aus der Rollenpresse

setzte elektromechanische Antriebstech­
nik größerer Leistung nicht ausreichte,
kam die Frage auf, wie sich Antriebe mit
einer höheren Leistungsdichte integrie­
ren lassen.
Wopfinger führte im Baustoffwerk
zunächst eine umfassende Messkampa­
gne durch, um Verbesserungspotenziale
sichtbar zu machen. Die Rahmenbedin­
gungen führten schließlich zum Einbau
der Hägglunds CBM Motoren. Mit maxi­

malen Drehmomenten bis 2.000 kNm sind
sie die stärksten Direktantriebe auf dem
Markt. Mit ihnen können die Rollenpres­
sen ab Start mit voller Kraft drehen, weil
die Hägglunds Motoren von Anfang an ihr
volles Moment liefern. Wie gut sich das
System in der Praxis bewährt hat, wird
auch bei den Instandhaltungskosten
deutlich. Wopfinger rechnet hier mit
deutlich weniger Wartungs­ und Instand­
haltungsaufwand und ­kosten. 