#Technologiefabrik Scharnhausen, Überblick



Beschreibung
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Technologiefabrik Scharnhausen

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Erprobt und abgesichert

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Zukunftsweisende Technologien für die Serienfertigung:
Verfahrensentwicklung als Schnittstelle zwischen Entwicklung
und Produktion

Energieeffizienz geplant und gelebt

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Optimierte Energienutzung bereits durch innovative
Fabrikplanung: Gebäude und Produktionsprozesse sind
energetisch vernetzt

Werte, Kultur und Gemeinschaft

22

„ZUSAMMEN WIRKEN“ lautet das Motto der Technologiefabrik:
nur gemeinsam lassen sich Ziele erreichen

Raum für Kreativität

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Bereichsübergreifend agieren: durchdachte Kommunikations-
und Raumkonzepte für intensive Kooperation, effektives
Arbeiten und einfachen Austausch

Lernen als Selbstverständnis

26

Mitarbeiter qualifizieren und bilden sich praxisnah und
bedarfsorientiert weiter: die Lernfabrik als integraler
Bestandteil der Technologiefabrik

Zukunft wandlungsfähig gestalten

4

Zahlen, Daten, Fakten

6

Fließende Fertigung

8

Die Technologiefabrik produziert schnell, flexibel und zu‑
verlässig: dank neuer Methoden sind Prozesse, Informationen
und Material in optimalem Fluss

Perfekt in Form

10

Drehen, Fräsen, Bohren und Schleifen – in der spanenden
Fertigung werden Präzisionsbauteile aus Metall zur Weiter-
verarbeitung in der Montage hergestellt

Automatisiert und wandlungsfähig

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Auf hochflexiblen und energieeffizienten Montagelinien
werden Produkte innerhalb kürzester Zeit hergestellt

Auf Kundenwunsch

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Speziallösungen und Einzelkomponenten für individuellen
Kundenbedarf werden in der Technologiefabrik in Hand-
montage hergestellt

Elektronik – elementarer Bestandteil

15

Leiterplatten oder Baugruppen werden für firmeneigene
Anwendungen und als Produkte für Kunden gefertigt:
Wertschöpfung durch Elektronik

Inhaltsverzeichnis

3

Technologiefabrik Scharnhausen

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Die Technologiefabrik Scharnhausen ist am Hochtechnologiestand-
ort Deutschland ein entscheidender Impulsgeber für die Automa-
tion der Zukunft  Bei Festo ist sie das führende Werk für Ventile,
Ventilinseln und Elektronik. Produktive und energieeffiziente Pro-
zesse, höchste Qualität der Produkte und eine ausgeprägte Kun-
denorientierung sowie eine nachhaltige und umweltbewusste Pro-
duktion zeichnen die Fabrik aus  Dank ihrer zentralen Lage und
Infrastruktur ist die Vernetzung mit dem Hauptsitz von Festo, den
weltweit verteilten Kunden und dem Lebensumfeld der Mitarbeiter
auf direktem Weg möglich

Die Erfolgsgeschichte der Technologiefabrik startete im Jahr 2011
Ein interdisziplinäres Team von Festo sammelte Ideen, sortierte die
Gedanken und formulierte anspruchsvolle Ziele  Von Anbeginn
waren Expertise und Kooperation aller Mitarbeiter gefragt – ob aus
Einkauf, Entwicklung, Informationstechnologie, Logistik, Produk-
tion oder Personalwesen  Durch das unmittelbare und bereichs-

übergreifende Zusammenwirken der Spezialisten wurde es mög-
lich, die komplexe Fabrikarchitektur zu konzipieren und innerhalb
kürzester Zeit Wirklichkeit werden zu lassen

Dennoch ist dieser Entwicklungsprozess nicht abgeschlossen
Auch die Technologiefabrik unterliegt einem fortwährenden dyna-
mischen Wandel  Festo begegnet neuen Herausforderungen im
weltweiten Wettbewerb der Automation mit Mitarbeitern, die
bereit sind zu lernen und Veränderungen offen gegenüberstehen
Industrie 4 0 ist der gegenwärtige Begriff für den Wandel in der
Produktion  Darunter versteht Festo einen harmonischen Dreiklang
aus intuitiven Mensch-Maschine-Schnittstellen, Ausbildung und
Qualifizierung sowie innovativen Technologien. Diese Komplexität
muss im Sinn der Zukunftsfähigkeit heute beherrscht werden

Eine Vielzahl der Aspekte von Industrie 4 0 ist in der Technologie-
fabrik bereits Realität  Mitarbeiter kooperieren täglich mit einem

Zukunft wandlungsfähig gestalten

Festo AG & Co  KG

4

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5

flexiblen Roboter in unmittelbarer und absolut sicherer Interaktion.
Der Roboter übernimmt für den Menschen ergonomisch ungüns-
tige Montagetätigkeiten und entlastet ihn dadurch physisch
Experten intensivieren diese zukunftsweisende Zusammenarbeit,
so dass Werker und Roboter nach Bedarf Arbeitseinheiten bilden
Dafür werden derzeit die notwendigen Normen und Standards
erarbeitet

Modernste Informationstechnologien sind in der Technologiefabrik
ebenfalls durchgängig im Einsatz  So stellt für die Instandhalter
heute das Tablet – nicht mehr nur das Werkzeug – das vornehm-
liche Arbeitsgerät dar  Eine speziell entwickelte App unterstützt die
Experten, so dass sie Störungen von Maschinen schnellstmöglich
beheben oder Aufträge unmittelbar vor Ort bearbeiten können

Neben den rein technischen Innovationen entsteht Wertschöpfung
letztlich durch den Menschen  So wird er in der Automation der

Zukunft dringend benötigt  Die Mitarbeiter von Festo sind dafür
motiviert, sensibilisiert und entsprechend qualifiziert: bereit für
die Produktion von morgen  Nur als bewusste Gemeinschaft in
einer lebendigen Unternehmenskultur ist Festo in der Lage, effi‑
ziente Wertschöpfungsketten und Produktlebenszyklen auch in
künftigen Geschäftsmodellen zu gestalten – für die globale Wett-
bewerbsfähigkeit und zum Nutzen seiner Kunden

Technologiefabrik Scharnhausen: Zukunft wandlungsfähig gestalten

5

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Zahlen, Daten, Fakten

Festo AG & Co  KG

6

Ebene 2
Spanende Fertigung
mit Galvanik

Pforte 2

Pforte 1

Kantine

Parkhaus

220 m²

große Lernfabrik

22 m

Gebäudehöhe

20 %

Strom aus
Eigenerzeugung

66.000 m²

Nutzfl äche

4

Ebenen

1.200

Mitarbeiter

Ebene 4
Lernfabrik

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Technologiefabrik Scharnhausen: Zahlen, Daten, Fakten

7

Ebene 4
Ideenschmieden

Ebene 3
Montage mit VUVG-Linien

Ebene 3
Atrium

Ebene 3
Elektronikfertigung

Technikzentrale

Ebene 4
Kundenlösungen

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8

Festo AG & Co  KG

Fließende Fertigung
Die Technologiefabrik produziert schnell, flexibel und
zuverlässig: dank neuer Methoden sind Prozesse,
Informationen und Material in optimalem Fluss

Die Organe des menschlichen Körpers wer-
den über den Blutkreislauf versorgt  Jedes
Einzelne erhält genau die benötigten Stoffe
und trägt zur Gesunderhaltung des gesam-
ten Körpers bei  Genauso verhält es sich
bei einer flexiblen und zuverlässigen Pro-
duktion  Das erforderliche Material muss
an den entsprechenden Ort, zum richtigen
Zeitpunkt und in der exakten Reihenfolge.
Nur so kann jeder Bereich der Technologie-
fabrik seinen Beitrag mit maximaler Pro-
duktivität leisten

Rank und schlank
Wenn alles fließt, lässt sich ein Optimum
aus Kosten, Qualität und Durchlaufzeiten
erreichen  „Schlanke Fabrik“ nennen die
Spezialisten diesen Zielzustand  Vom Auf-
tragseingang über die Produktion bis
hin zur Auslieferung an den Kunden – alle

Prozesse müssen ohne unnötige Warte-,
Transport- oder Liegezeiten miteinander
harmonieren

Alles fließt
Die Aktivitäten und Abläufe in der Produk-
tion bilden Wertströme  Neben übergeord-
neten Wertströmen wie Auftrags- und
Materialsteuerung gibt es vier Hauptberei-
che: Produkte der Handhabungstechnik,
Ventile und Ventilinseln, Elektronikbauteile
und -produkte sowie Kundenlösungen  Die
Experten von Festo analysieren die Wert-
ströme systematisch in interdisziplinären
und bereichsübergreifenden Teams  So las-
sen sich Liegezeiten während des Durch-
laufs eines Rohteils vom Wareneingang bis
zum fertigen Produkt aufspüren und mini-
mieren  Mithilfe dieser nachhaltigen
Methodik schaffen die Mitarbeiter aktiv

Schlanke Produktion

•  Logistik und Materialflüsse optimieren

•   Bestände  minimieren

•   Produktion ohne Engpässe

•   Lieferanten  einbinden

»  Mit der Planung der Wertströme haben wir auf

der „grünen Wiese“ begonnen  Unser Ziel war die
Gestaltung idealer Prozesse in der Technologie-
fabrik  Wir wollten die Wertschöpfung im Werk
steigern und Verschwendung vermeiden  In ver-
schiedenen Teams haben wir nun effiziente Abläufe
sowie Standards für eine Umgebung geschaffen,
in der es Spaß macht zu arbeiten «

Simon Scheible, Leiter Disposition Wertstrom Handhabungstechnik

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01  Über getaktete Routenzüge wird
Material in der Technologiefabrik punkt-
genau transportiert

Technologiefabrik Scharnhausen: Fließende Fertigung

Wertschöpfung  Ein plakatives Beispiel
einer wertstromoptimierten Fertigungs-
kette sind deutlich kürzere Transportwege
für Anliefern, Sägen, Zerspanen, Entgraten,
Reinigen und Galvanisieren von Bauteilen
Waren die Prozesse zuvor über mehrere
Standorte auf einer Strecke von etwa 32
Kilometern verteilt, konnten sie nun inner-
halb der Technologiefabrik auf nur 120
Metern abgebildet werden

Logistische Leistung
In der schlanken Technologiefabrik fließt
Material durch die Produktionshallen wie
Blut durch Adern und Venen  Die einzelnen
Fertigungsprozesse sind durch kürzeste
Wege miteinander verbunden und so ange-
ordnet, dass – soweit möglich – kein Bedarf
einer Zwischenpufferung über Lagerbe-
stände besteht  Für den reibungslosen

Materialfluss zwischen Produktion und
Logistik sorgen sogenannte Routenzüge
Das sind kleine Elektrofahrzeuge mit
Anhängern, die wie Linienbusse in festem
Takt definierte Haltestellen in der Produk-
tion anfahren  Die Übergabepunkte sind im
ganzen Werk einheitlich markiert, sodass
sofort ersichtlich ist, wo Ware abgestellt
bzw  welche Ware abgeholt werden muss

Kein Engpass
Jede Prozesskette insgesamt kann jedoch
nur so stark sein wie ihr schwächstes Glied
Um Engpässe zu vermeiden, wenden die
Fabrikexperten die Engpass‑Theorie des
Physikers Eliyahu Goldratt an  Statt jeden
Teilprozess einzeln zu verbessern, sollte
laut Goldratt die Konzentration auf den Eng-
pass erfolgen  Der Engpass wird gezielt
optimiert und die vor ihm liegenden Pro-

zessschritte steuern ausschließlich die ver-
arbeitbare Menge an Material zu  So lässt
sich ein optimales Ergebnis für die gesamte
Fabrik und die Wertströme erzielen

Standards setzen
Lieferanten sind ebenfalls fest in die Fabrik-
prozesse integriert  Sie liefern Material nach
festgelegten Bestandsgrenzen  Ihre Anbin-
dung erfolgt, wenn möglich, über standardi-
sierte und zyklisch getaktete Lieferfahr-
zeuge  Neben der Materiallogistik gibt es
zahlreiche Standards für Arbeitsmaterialien
Mitarbeiter wählen aus einem Musterar-
beitssystem Bürobedarf oder Werk-
zeug aus  Um die Wandlungsfähigkeit der
Technologiefabrik auch in Zukunft sicherzu-
stellen, werden die heutigen Standards im
Rahmen des Produktionssystems Festo
Value Production (FVP) weiterentwickelt

01

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01

Festo AG & Co  KG

10

Tonnenschwere Zerspanungsmaschinen stehen auf einer Fläche
von 14 000 Quadratmetern im Erdgeschoss der Technologiefabrik
Die hochautomatisierten Anlagen laufen rund um die Uhr und ferti-
gen die Grundbausteine der Festo-Produkte innerhalb kürzester
Zeit: Ventilgehäuse, Ventilinselleisten, Ventilpatronen oder Einzel-
komponenten der Handhabungstechnik für Lineareinheiten und
Rotationsantriebe  Die Bauteile sind hochpräzise, passgenau und
in bester Oberfl ächenqualität. Der Verarbeitungsweg vom Lager
der angelieferten Metallstangen bis zum Oberfl ächenfi nish in der
Galvanik beläuft sich bei vielen Bauteilen auf nur 120 Meter

Klassische Mechanik
Die ringförmigen Ventilpatronen sind die Herzstücke der Ventile,
denn sie sorgen für die Dichtung  Ventilinselleisten bilden den
Unterbau, auf den die Ventile geschraubt werden  Insbesondere
die Teile für Ventilgehäuse und Handhabungstechnik unterliegen
aufgrund ihrer Komplexität höchsten Anforderungen an Form und

Lagetoleranzen  Die einzelnen Prozessschritte der Ventilgehäuse-
fertigung – wie Sägen, Bearbeiten, Entgraten (Entfernen von Kan-
ten) und Waschen – erfolgen in verketteten Anlagen mit Einsatz
von Robotern  Je nach Aufgabenstellung setzten die Spezialisten
dabei unterschiedliche Automatisierungsgrade um

Runde Sache
Die Herstellung von Komponenten für Ventilgehäuse war bislang
ein zeitaufwendiger Prozess mit verteilten Einzelschritten  Eine
neue Großanlage in der Technologiefabrik, ein sogenannter Rund-
takter, bildet diesen Prozess auf einer Fläche von 140 Quadratme-
tern vollautomatisch ab: Die angelieferten Metallstangen werden
zersägt und von einem Roboter auf einem rotierenden Tisch abge-
legt, wo die Einzelstücke bearbeitet werden  Im Sekundentakt
durchlaufen sie 14 kreisförmig angeordnete Stationen  Danach
werden die Ventilgehäuse in einer Wasserhochdruckanlage entgra-
tet und gewaschen, so dass sie bereit für die Montage sind

Perfekt in Form
Drehen, Fräsen, Bohren und Schleifen – in der spanenden
Fertigung werden Präzisionsbauteile aus Metall zur
Weiterverarbeitung in der Montage hergestellt

Mengen in der Zerspanung

•  Mehrere Millionen Ventilpatronen pro Jahr

•  Mehrere zehntausend Ventilgehäuse pro Tag

•  Tausende Einzelkomponenten für Produkte

der Handhabungstechnik

•   8 000  Zerspanungswerkzeuge

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02

11

Technologiefabrik Scharnhausen: Perfekt in Form

02  In der Galvanik werden die Ober-
flächen der Komponenten veredelt.

01  Die Anlage setzt Dichtungen in die
zuvor gefertigten Ventilpatronen ein

Sicher, sauber und effizient
Zerspanungsanlagen benötigen aufgrund des Kraftaufwands bei
der Metallbearbeitung viel Energie  Maschinen und Nebenaggre-
gate wurden daher von vornherein über innovative Technologien
effizient ausgelegt. Sobald sie sich im Leerlauf befinden, fahren sie
unter Berücksichtigung von Anlaufzeiten, Produktqualität und
Sicherheit in einen geeigneten Energiesparmodus  Die Funktiona-
lität der Maschinen und die Produktqualität werden kontinuierlich
überprüft und sichergestellt  Die Arbeitsplätze der Fachleute für
Wartung und Prüfverfahren befinden sich deshalb mittig auf der
Ebene der spanenden Fertigung – dort wo ihr Einsatz am häufigs-
ten erforderlich ist  Durch die mechanische Metallbearbeitung ent-
stehen Späne und ölhaltige Abluft  Über eine hochmoderne
Absauganlage wird die Luft gefiltert und Wärme wieder zurückge-
wonnen  Selbst feinste Partikel können so nicht in die Luft der
Fabrikhalle gelangen  Die anfallenden Späne werden gesammelt,
zu Briketts gepresst und als Aluminiumschrott weiter veräußert

» Vor 33 Jahren habe ich meine Lehre bei Festo be-

gonnen  Unsere Maschinen in der Technologiefabrik
fertigen die Ventilpatronen im Sekundentakt  Die
Sonderwerkzeuge, die man dafür benötigt, entwickeln
wir selbst «

Baden und Beizen
In galvanischen Bädern erhalten die Komponenten über elektrolyti-
sche Verfahren die notwendigen Oberflächeneigenschaften. Die
gewaschenen und entfetteten Aluminiumteile aus der Zerspanung
werden zunächst gebeizt, wodurch eine Schicht von etwa zehn
Mikrometern abgetragen wird. Im Eloxalverfahren erhalten sie
schließlich eine 20 Mikrometer dicke Beschichtung, die vor Korro-
sion schützt bzw. für eine gleitfähige Oberfläche sorgt. Die Galva-
nik der Technologiefabrik ist energieeffizient. So können mehrere
Bauteile gleichzeitig in einem Bad eloxiert werden und für einen
Wechsel der Eloxalsubstanzen ist kein Umrüsten nötig. Ein Wärme-
tauscher erlaubt die Rückgewinnung von Energie aus der Belüf-
tungsanlage

Roland Knuth, Leiter Fertigung Ventilpatronen

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Festo AG & Co  KG

Automatisiert und wandlungsfähig
Auf hochfl exiblen und energieeffi zienten Montagelinien
werden Produkte innerhalb kürzester Zeit hergestellt

01

Verschiedenste Magnetventile und Ventil-
inseln werden im Bereich Montage automa-
tisch oder auch manuell gefertigt  Dabei
unterstützen zahlreiche unternehmensei-
gene Produkte und Anwendungen: Festo-
Produkte werden zur Herstellung von
Festo-Produkten eingesetzt  Auf moderns-
ten Montageanlagen werden beispiels-
weise kleine, kompakte Magnetventile voll-
automatisch montiert  Die Anlagen produ-
zieren jeweils über 50 individuelle Varian-
ten unterschiedlicher Baugrößen, wobei 20
Varianten bereits über 80 Prozent des
Gesamtvolumens ausmachen  Bei der Mon-
tage der Ventile zu Ventilinseln ist nach wie
vor Handarbeit gefragt  Eine enorme Pro-
duktvielfalt von 10

40

Varianten – eine Eins

mit 40 Nullen – ist bei manchen Produkten
möglich, die kundenindividuell innerhalb
kürzester Zeit gefertigt werden müssen

Zelle für Zelle
In den Montageanlagen befi nden sich auf
jeweils 30 Metern bis zu acht Produktions-
zellen hintereinander, in denen die Bewe-
gungsabläufe zur Montage der einzelnen
Ventile gesteuert und ausgeführt werden
Dazu gehören das Sprühbefetten der
Gehäuse, das Einpressen der Patronen und
das Montieren der Dichtungen in Kombina-
tion mit den jeweiligen Verfahren zur Pro-
zessüberwachung  Die Spezialisten für
Automatisierung haben die Zellen sowohl
in der Hardware als auch in der Software
modular gestaltet und untereinander ver-
netzt  Die Einzelprozesse sind autark auf-
gebaut, die Schnittstellen der Zellen stan-
dardisiert  Umbau, Austausch oder Erweite-
rungen der Zellen sind ohne großen Auf-
wand möglich  Selbst zum Umrüsten muss
kein Zeitfenster mehr eingeplant werden,

denn das System rüstet innerhalb der Takt-
zeit von selbst um  Durch die konsequente
Standardisierung können sogar Montage-
zellen oder -module anderer Hersteller
nach Bedarf integriert werden

Richtig fetten
Zur Befettung der Kolben wenden die Fach-
leute von Festo ein ausgeklügeltes Verfah-
ren in der automatisierten Montage an:
Spezialfett wird durch ein beheizbares
Sprühsystem fein zerstäubt und mittels
Düsen sicher und exakt aufgebracht. Die
Prozessdaten dieses Produktionsschritts
werden dabei ständig überwacht  In
Lebensdauertests schneiden die Magnet-
ventile damit fünfmal besser ab als zuvor
Zum Testen der Ventile nach dem letzten
Fertigungsschritt wurde ein innovatives
Prüfsystem entwickelt, mit dem die dafür

» Wir stellen die Qualität und die Verfügbarkeit der auto-

matisierten Montageanlagen sicher  Morgens treffen
wir uns zum kurzen, standardisierten Abstimmungsge-
spräch  Unser Ziel ist es nicht nur, Probleme zu behe-
ben, sondern sie vorausschauend zu analysieren  Ge-
rade bei der Montage hoher Stückzahlen wollen wir kri-
tische Prozesswerte so früh erkennen, dass wir bereits
vor dem Auftreten einer Störung reagieren können «

Tobias Müller, Leiter Arbeitsvorbereitung Montage

Vollautomatisierte Ventilmontage

•  Zwei Produktionslinien für Magnetventile

•  Mehrere Millionen vollautomatisch montierte

Ventile pro Jahr

•   Wenige Sekunden Taktzeit für Montage und Prüfung

•   Höchste Flexibilität und Varianz

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Technologiefabrik Scharnhausen: Automatisiert und wandlungsfähig

01  In den Produktionszellen der modu-
laren Großanlagen werden Ventile voll-
automatisch montiert

02  Intuitiv und gefahrlos kooperiert ein
Mitarbeiter mit dem Montageroboter

02

notwendige Zeit auf wenige Sekunden
reduziert werden konnte

Alles nachvollziehbar
Bereits in der Planungsphase achteten die
Experten auf eine hohe Energieeffizienz der
Montageanlagen  So lässt sich heute für
jede Einheit der Energieverbrauch indivi-
duell bestimmen  Mögliche Lecks werden
automatisch erkannt, Druck und Durchfluss
kontinuierlich überwacht  Dezentral einge-
setzte Ventilinseln vermindern den Druck-
luftverbrauch an den Maschinen erheblich
Mit Hilfe von Kameras und Lasersensoren
wird jeder einzelne Montageschritt direkt
überprüft  Über Barcodes und RFID-Chips
(Radio‑Frequency Identification) werden
über den gesamten Produktionsprozess
hinweg vom Lieferanten bis zum Kunden
Chargendaten, Prozessparameter sowie

alle Prüfergebnisse erfasst  Ungünstige
Trends in der Produktion lassen sich so
frühzeitig erkennen und Ausschuss bzw
Nacharbeit vermeiden

Mensch-Roboter-Kooperation
Für Festo bildet die Wandlungsfähigkeit der
Automation verbunden mit einer intuitiven
Mensch-Maschine-Schnittstelle und der
Qualifizierung der Mitarbeiter wesentliche
Aspekte der Produktion von morgen  So
übernehmen spezielle Automaten oder ein
Roboter Tätigkeiten der Vormontage, die
für den Menschen ergonomisch einseitig
oder sehr kurzzyklisch sind  Der Roboter
greift ein Gehäuse, fügt Patronen und
Gestell zusammen und übergibt das Bauteil
schließlich an den Werker zur weiteren
Bearbeitung  Die Zusammenarbeit ist für
den Menschen gefahrlos  Sensoren über-

wachen alle Aktionen des Roboters  Sobald
ihm ein Mitarbeiter zu nahe kommt, ver-
langsamt er seine Bewegungen oder hält
komplett an  Dank diverser Sicherheitsme-
chanismen muss der Roboter nicht hinter
Gitter: ein gelungenes Beispiel für die
zukunfts- und wettbewerbsfähige Koopera-
tion von Mensch und Maschine

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Festo AG & Co  KG

Vielfalt und Anwendungen
Je nach Einsatzbereich werden Ventilinseln, Schaltschränke,
Antriebe, Steuerblöcke, Produkte der Hochdruckpneumatik oder
Systemlösungen hergestellt  In Abfüllanlagen für Getränke wer-
den beispielsweise wegen ungleicher Prozesse verschiedene Steu-
erungen für Sekt, Bier oder Saft benötigt  Die zuverlässige Sortie-
rung von geerntetem Gemüse oder Reis durch Ausblasen wird über
Spezialventile ermöglicht – dank schneller Schaltung lässt sich
Reis sogar im freien Fall sortieren  Darüber hinaus produziert Festo
spezifi sche Lösungen für weitere Kunden aus der Lebensmittelin‑
dustrie, für die Automobilbranche, Anlagen- und Elektronikherstel-
ler, Medizintechnik, Verpackungs- und Automatisierungsindustrie
oder Hersteller von Lackieranlagen, Holz‑ und Textilmaschinen.
Dank des vielfältigen Spektrums an Lösungen versuchen die Ex‑
perten jedem Kundenwunsch in vollem Umfang gerecht zu  werden

Ob einige Tausend pro Jahr, eine Kleinserie von mehreren Hundert
oder nur ein einzelnes Stück – die Festo-Spezialisten für Kundenlö-
sungen liefern unterschiedlichste, speziell für Kunden modifi zierte
und entwickelte Produkte  Da jeder Kunde eigene Wünsche und
Anforderungen mitbringt, entwickeln und fertigen sie Bauteile mit
individuell zugeschnittenen Funktionen und Eigenschaften

Kunden verstehen
Manche Produktionsprozesse laufen bei extremen Temperaturen,
manche benötigen spezielle Fette, Dichtungs- und Reinigungsmit-
tel  Andere wiederum haben erhöhten Sicherheitsbedarf in Bezug
auf Leckage oder brauchen zusätzliche Befestigungsbohrungen
Um maßgeschneiderte Lösungen liefern zu können, ist ein direkter
Austausch vonnöten: Die Vertriebsingenieure von Festo stimmen
sich mit dem Kunden ab und arbeiten anhand des Pfl ichtenhefts in
enger Kooperation Konstruktionen für einzelne Muster, individuelle
Prototypen oder komplexe Serienprodukte aus.

Auf Kundenwunsch
Speziallösungen und Einzelkomponenten für indivi-
duellen Kundenbedarf werden in der Technologiefabrik
in Handmontage hergestellt

Für die Kunden

•  Kundenspezifi sche Projektabwicklung

•   Kompetenz in Produktkomplexität

•   Kurze  Reaktionszeiten

•   Schneller  Durchlauf

•   Höchste Flexibilität

»  Mit Kollegen habe ich den Umzug unseres Bereichs in

die Technologiefabrik geplant und aktiv gestaltet
Heute habe ich eine persönliche Bindung zur neuen
Fabrik  Als stellvertretende Führungskraft kümmere
ich mich darum, dass die Mitarbeiter ausgeglichen,
ausgewogen und produktiv arbeiten können – und
dabei die unterschiedlichen Aufträge für unsere Kun-
den störungsfrei laufen «

Angela Biribauer, Montage Kundenlösungen

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Technologiefabrik Scharnhausen: Auf Kundenwunsch/Elektronik

mente – etwa Widerstände, Dioden oder Kondensatoren  Der Löt-
prozess selbst fi ndet im sogenannten Refl owofen statt. Um durch‑
gängig höchste Produktqualität sicherzustellen, durchlaufen alle
Module mehrstufi ge optische und elektrische Testverfahren. Die
Spezialisten für Elektronikfertigung kontrollieren und optimieren
den gesamten Herstellungsprozess mithilfe innovativer Methoden
Er ist für jede Baugruppe lückenlos nachvollziehbar

Wertvolles Lager
Ein ausgeklügeltes Lagersystem beherbergt die empfi ndlichen
SMT-Komponenten  Es funktioniert über ein Shuttleprinzip, wo-
durch die benötigten Elektronikelemente schnell abgerufen wer-
den können  Zur Unterbringung eignete sich ein ehemaliger Auf-
zugsschacht, den die Automatisierungsexperten von Festo als voll‑
automatisches Lager mit Roboterhandling ausgestattet haben  Die
wertvollen Komponenten werden mit Infrarotkameras überwacht
und sind dadurch vor Brand und Wassereinwirkung geschützt

Viele Produkte sind ohne Elektronik nicht vorstellbar  In der Tech-
nologiefabrik produzieren 200 Mitarbeiter auf 6 000 Quadratme-
tern Fläche komplexe elektronische Baugruppen und Produkte.
Allein 2,5 Millionen pro Jahr werden davon zur Verwendung im
eigenen Unternehmen hergestellt  Die weiter verarbeitenden Berei-
che erhalten entweder komplette Baugruppen im Gehäuse oder
bestückte Leiterplatten

Voll bestückt
Bei Festo werden Leiterplatten mit modernsten Fertigungs- und
Lötverfahren hergestellt  Dazu gehören kleinste elektronische
SMT-Bauelemente (Surface Mounted Technology) und leistungsfä-
hige Mikroprozessoren mit über 500 Anschlusspins  Sie werden
auf vier vollautomatischen Fertigungslinien verarbeitet: Zunächst
trägt ein Pastendrucker die Lötpaste hauchdünn auf eine Rohlei-
terplatte auf  Mehrere Hochleistungsbestücker platzieren dann auf
Hundertstel Millimeter genau die erforderlichen Elektronikele-

Elektronik – elementarer Bestandteil
Leiterplatten oder Baugruppen werden für fi rmeneigene
Anwendungen und als Produkte für Kunden gefertigt:
Wertschöpfung durch Elektronik

Maria-Cristina Muntean-Galiu, Fertigung Flachbaugruppen Elektronik

» Ich bestücke, montiere und teste Leiterplatten an un-

terschiedlichen Maschinen  Schon vor 15 Jahren, als ich
nach Deutschland kam, wollte ich zu Festo  Seit über
drei Jahren arbeite ich im Unternehmen  Das Betriebs-
klima in der Technologiefabrik stimmt: Jeder Einzelne
wird geschätzt, wir können ständig dazulernen und
werden von unseren Vorgesetzten offen informiert «

Jährliche Leistung

•  Hunderte Millionen SMD-Bauteile

•  Mehrere Millionen Flach- und

Endbaugruppen

•  Hunderte von Varianten

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Festo AG & Co  KG

Verfahrensentwicklung

•  Prozesssichere Verfahren

•   Internationale  Ausrichtung

•   Technikum zur Erprobung

•   Technologie-Roadmap

Die Spezialisten aus der Verfahrensent-
wicklung stellen das Bindeglied zwischen
Entwicklungsprojekten und dem Produk-
tionsanlauf dar. Sie identifizieren, erproben
und bewerten Innovationen  Modernste
Verfahren und Technologien sollen bei
Festo möglichst schnell zum praktischen
Einsatz im Fabrikalltag kommen – intelli-
gent, zukunftsfähig und vor allem prozess-
sicher  Mit ihrem Know-how wirken die Ver-
fahrensentwickler nicht nur in der Techno-
logiefabrik, sondern unterstützen die
Werke von Festo rund um den Globus

Trends aufspüren
Wie sieht die Zukunft der Fertigung aus?
Welche Technologien muss Festo beherr-
schen? Und an welchen Stellen sollten eta-
blierte Produktionswege durch neue
Methoden ersetzt werden? Die Verfahrens-

entwickler bewerten frühzeitig und syste-
matisch das Potenzial neuer Fertigungsver-
fahren  Dabei orientieren sie sich am
Bedarf der einzelnen Werke, der Vorent-
wicklung und der Entwicklung  Die Ergeb-
nisse werden in einer ausführlichen Tech-
nologie-Roadmap offengelegt, die indivi-
duelle und weltweite Trends aufzeigt

Unter Laborbedingungen
Ein Technologietrend allein ist noch kein
Garant für ein geeignetes Fertigungsverfah-
ren  Um eine neue Methode zu bewerten,
starten die Experten von Festo mit ersten
Tests und einer Machbarkeitsstudie  Fällt
ihre Einschätzung positiv aus, wird das Ver-
fahren genauer unter die Lupe genommen:
Sie definieren die Rahmenbedingungen für
mögliche Fabrikanwendungen und kombi-
nieren bei Bedarf verschiedene Verfahren

Erprobt und abgesichert
Zukunftsweisende Technologien für die Serienfertigung:
Verfahrensentwicklung als Schnittstelle zwischen
Entwicklung und Produktion

»  Mich fasziniert, dass wir uns auf Neuland bewegen

Wir bewerten im Austausch mit anderen Abteilungen
neue Technologien  Wenn die ausgewählten Verfahren
prozesssicher sind, übergeben wir sie an die Kollegen

der Produktion  Derzeit arbeiten wir insbesondere am

Digitaldruck und an Lasertechnologien für verschie-

dene Anwendungen «

Dr. Axel Fehrenbacher, Verfahrensentwicklung

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Es folgen die analytische Auswertung und
die statistische Absicherung, die schließ-
lich Aussagen über die künftige Prozesssi-
cherheit zulassen  Bei grünem Licht bauen
die Verfahrensentwickler eine Versuchsan-
lage auf. Die Ergebnisse fließen in ein kon-
kretes Fertigungskonzept

Im Technikum am Standort Scharnhausen
finden neben Testanlagen auch experimen-
telle Aufbauten Platz  Eine eigene Mecha-
nikwerkstatt und begleitende Analysever-
fahren vervollständigen den Bereich  Die
Verfahrensentwickler arbeiten intensiv an
Klebetechnologien, die an geeigneten Stel-
len klassische Schweißverfahren ablösen
werden  Ein besonderes Augenmerk liegt
darüber hinaus auf neuartigen Fügeverfah-
ren, Umformtechniken, Beschichtungs- und
Reinigungsmethoden, Methoden der

Sprühbefettung, Werkstoffauswahl, Laser-
technologien und modernen Druckver-
fahren

Zukunft Digitaldruck
Die Kennzeichnung von Produkten, die bis-
lang durch das Aufkleben von Typenschil-
dern erfolgt, wird bei Festo vom Digital-
druck ersetzt  Innerhalb weniger Sekunden
kann ein Ventilgehäuse hochauflösend in
den gewünschten Farben bedruckt werden
Auch gewölbte Oberflächen stellen kein
Problem dar  Der Druckvorgang ist durch
die Softwaresteuerung äußerst flexibel, so
dass er dem steigenden Individualisie-
rungsgrad der Produkte und der dazugehö-
rigen Beschriftung gerecht wird  Vor dem
Drucken erfolgt eine Vorbehandlung des
Bauteils, zum Beispiel mit einem Laser  Er
entfernt die oberste Schicht für eine opti-

male Farbhaftung  Mit UV-Licht wird die
Farbe nach dem Druck getrocknet  Jeder
einzelne Prozessschritt wurde von den Ver-
fahrensentwicklern erprobt und abgesi-
chert – das Digitaldruckverfahren ist reif für
die Produktion

Umfassende Expertise
Zielsetzung der Verfahrensentwicklung ist
es, die Produktion von morgen in Bezug auf
Kosten, Qualität und Lieferfähigkeit aktiv
mitzugestalten  Als interdisziplinäres Team
müssen sich die Spezialisten stets aufs
Neue mit vielfältigsten Fragestellungen
auseinandersetzen  Sie arbeiten vernetzt
und in enger Abstimmung mit den Kollegen
anderer Fachbereiche  Neben sattelfesten
Kenntnissen in den Ingenieurwissenschaf-
ten ist naturwissenschaftliches und experi-
mentelles Know-how gefragt

Technologiefabrik Scharnhausen: Erprobt und abgesichert

01  In der Testanlage für Digitaldruck
prüfen Verfahrensentwickler die Möglich-
keiten zur Kennzeichnung von Produkten

01

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Festo AG & Co  KG

01

Die Gebäude auf dem Fabrikgelände Scharnhausen mit rund
66.000 Quadratmetern Nutzfl äche und 1.200 Mitarbeitern wollen
mit Energie versorgt sein  Allein im Neubau – mit seinen vier
Ebenen ist er so groß wie sieben Fußballfelder – befi nden sich
9 000 Leuchten, 125 Kilometer Leitungen, 11 500 Sprinklerköpfe,
70 Kilometer Datenkabel, 1 300 Rauchmelder und 28 Kilometer
Rohre für Heizung und Kälte  Alle 24 Minuten wird die Luft im kom-
pletten Gebäude ausgetauscht  Das entspricht einer Million
Kubikmeter Frischluft pro Stunde

Gebäude und Produktion
Um den Energieverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren, gingen
die Experten von Festo innovative Wege in der Fabrik‑ und Ge‑
bäudeplanung: Alle beteiligten Fachbereiche waren bereits in der
Planungsphase eng verzahnt  Sie nutzen eine gemeinsame Kom-
munikationsplattform, worüber sichergestellt werden kann, dass
die energetische Wechselwirkung zwischen Gebäudeausstattung

und Produktionssystemen von vornherein in der Planung berück-
sichtigt wird  Da sich Prozesse oftmals gegenseitig bedingen, muss
die Energie sinnvoll verteilt werden  Durch eine kontinuierliche
Anpassung der Erzeugung an die tatsächliche Verbrauchssituation
lässt sich die notwendige Energie sehr effi zient bereitstellen.

Wissenschaftlich bilanziert
Auf Basis entsprechender Voruntersuchungen entwickelten die
Spezialisten unterschiedliche Energiekonzepte  Entscheidungen
fi elen nach Effi zienz‑ und Amortisationsberechnungen. Forscher
der Technischen Universität Braunschweig unterstützten diesen
Prozess, indem sie Lebenszyklus- und Wirtschaftlichkeitsanalysen
für die einzelnen Konzepte durchführten  Sie analysierten auch die
Energiefl üsse mithilfe sogenannter Fabrik‑Sankey‑Diagramme, die
die gesamte Energiebilanz eines Fabrikgebäudes abbilden  Zu-
kunftsszenarien konnten einbezogen und die Auswirkungen einzel-
ner Maßnahmen konkret beziffert werden

Energieeffi zienz geplant und gelebt
Optimierte Energienutzung bereits durch innovative
Fabrikplanung: Gebäude und Produktionsprozesse sind
energetisch vernetzt

Energiedaten

•  Rund 20 Prozent Strom aus Eigenerzeugung

•   Einsparung von jährlich rund 1 500 Tonnen

Kohlendioxid

•   Wärmerückgewinnung aus einem Drittel des

Energieeinsatzes für Drucklufterzeugung

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02

Technologiefabrik Scharnhausen: Energieeffizienz geplant und gelebt

02  Per Tablet können die Experten den
sicheren Betrieb der Gebäude und An-
lagen überwachen

01  Schulungen zur Energieeffizienz sind
Teil des Weiterbildungsprogramms in der
Technologiefabrik

Gespür für Energie
Physikalischer Hintergrund für die Berechnung des Sankey-Dia-
gramms ist der Energieerhaltungssatz: Jeder Energiefluss in die
Fabrik hinein muss sie auch wieder in derselben Intensität verlas-
sen  Starke Ströme werden durch dicke Pfeile symbolisiert, schwa-
che Ströme durch dünne Pfeile. Die Pfeilstärken entsprechen exakt
den Energieflüssen und machen sie dadurch transparent. Größen-
ordnungen und Wirkungen lassen sich mit einem Blick abschätzen
Mit dem Sankey-Diagramm können die Wege der Stromverteilung
oder der Kohlendioxidemissionen einfacher nachvollzogen bzw.
Wechselwirkungen direkt abgelesen werden

Geplant und gebaut
Zwei erdgasbetriebene Blockheizkraftwerke mit einer Gesamtleis-
tung von rund 1,8 Megawatt stellen heute die energetische Grund-
versorgung des Standorts sicher  Ein Blockheizkraftwerk erzeugt
mit einem Gesamtwirkungsgrad von etwa 95 Prozent Strom und

» Wir arbeiten an einem vernetzten und intelligenten

Energietransparenzsystem  Dadurch können wir jedem
Mitarbeiter vor Ort aktuelle Verbrauchswerte offenle-
gen und Einsparpotenziale sichtbar machen  Transpa-
renz in den Energieverbräuchen ist der Schlüssel, um
effizienter zu werden. Die Grundlage dafür haben wir
mit einem Messsystem gelegt, das uns diese Daten zur
Verfügung stellt «

Wärme zugleich  Die Wärme wird in der kalten Jahreszeit zum Hei-
zen genutzt  In den Sommermonaten wird sie – zusammen mit der
Abwärme der Druckluftkompressoren – mithilfe von Absorptions-
kältemaschinen in Kälte für die Produktion umgewandelt  Durch
den Betrieb der Blockheizkraftwerke steigt zwar der Erdgasver-
brauch an, die Effizienz insgesamt wird jedoch deutlich verbessert
und unerwünschte Emissionen werden erheblich reduziert  In der
zerspanenden Fertigung wird ebenfalls Energie zurückgewonnen:
Entstehende Abwärme der Maschinen wird mittels Betonkern-
aktivierung in die Böden abgeführt und nach dem Prinzip der Fuß-
bodenheizung genutzt  Ergebnis der energetischen Vernetzung
von Produktion und Gebäude sind niedrigere Verbräuche, weniger
Kosten und geringere Emissionen

Johannes Linzbach, Forschung Produktionssysteme

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Festo AG & Co  KG

01  Ausgehend von der Druckluftzent-
rale wird die gesamte Fabrik über unter-
schiedliche Netze mit Druckluft versorgt

01

Umweltziele

•  Nachhaltiges und ökologisch sinnvolles

Wirtschaften

•   Vorreiter in Sachen Energieeffi zienz

•   Ein Prozent jährliche Verbesserung der

Energiekennzahlen

als Einzelanlage energetisch am meisten zu
Buche  Bauteile werden dort elektrolytisch
veredelt und erhalten so einen Korrosions-
schutz oder bestimmte Oberfl ächeneigen‑
schaften  Statt Auslagerung trafen die Pla-
ner eine bewusste Entscheidung für die
Integration dieses aufwendigen Verfahrens
Produkte und Bauteile sollen die Fabrik
innerhalb kürzester Zeit und bei maximaler
Ressourcenschonung durchlaufen  Eine
ausgeklügelte Isolierung der Galvanikbe-
cken spart heute pro Stunde rund 15 000
Kubikmeter Abluft ein  Die Belüftungsan-
lage ist darüber hinaus mit einem Wärme-
tauscher zur Energierückgewinnung ausge-
stattet  Die Abwärme der Blockheizkraft-
werke wird zur Wassererwärmung genutzt

Einen weiteren großen Energieverbraucher
stellt die Erzeugung von Druckluft dar

Zentrale für Gebäudetechnik
Alle Versorgungsanlagen – Blockheizkraft-
werke, Heizkessel, Kältemaschinen,
Verteiler, Pumpenstationen, Kühltürme
oder die Druckluftzentrale – sind in
einem separaten Gebäude auf dem Ge-
lände untergebracht  Von dieser Technik-
zentrale werden Wärme, Kälte, Kühlwasser
und Druckluft über einen begehbaren
Medienkanal in die Produktionsebenen
geleitet  Rohrleitungstrassen, die im
Abstand von neun Metern angeordnet
und alle drei Meter abgreifbar sind, bilden
ein durchgängiges Versorgungsnetz  Pro-
duktionsaufbauten können jederzeit
fl exibel umgestaltet werden, ohne dass
Änderungen an der Gebäudeinfrastruktur
nötig sind  Auch bietet die Struktur bei
Bedarf alle Möglichkeiten für einen weite-
ren Ausbau der Technologiefabrik

Datenmengen unter Kontrolle
Für einen sicheren Betrieb der Gebäude
werden kontinuierlich sämtliche Ver-
brauchsdaten sowie die korrekte Funktion
der einzelnen Anlagen erfasst  Die Daten
fl ießen in einem zentralen Gebäudeleitsys‑
tem zusammen  Von dort werden die Anla-
gen automatisch gesteuert  Dank der über-
sichtlichen Visualisierung können even-
tuelle Störungen in Echtzeit am Rechner
oder Tablet abgelesen und bei Bedarf ein-
gegriffen werden  Durch Priorisierung
der Alarmarten kann der Notdienst ein-
schätzen, ob er etwa nachts vor Ort ge-
braucht wird

Großanlagen im Visier
Ein spezielles Augenmerk richteten die Pla-
ner von Anbeginn auf die Großanlagen  In
der Technologiefabrik schlägt die Galvanik

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Technologiefabrik Scharnhausen: Energieeffizienz geplant und gelebt

Den Spezialisten gelang es, die Druck-
niveaus der unterschiedlichen Netze am
gesamten Standort von acht auf sechs
bzw  18 auf 13 Bar zu senken – eine nach-
haltige Maßnahme, denn schon ein einzi-
ges Bar weniger Druck spart fünf Prozent
Energie ein  Dafür mussten etwa 100 Anla-
gen, wie Zerspanungsmaschinen, Montage-
und Prüfautomaten, an die neuen Druck-
verhältnisse angepasst werden

Transparenz bis zur Maschine
Aber nicht nur die großen Energieverbrau-
cher, auch kleinere Anlagen mit einem
hohen Energieverbrauch sollen in Scharn-
hausen ihren Beitrag zur Ressourcenscho-
nung leisten. Für eine maximale Energie-
transparenz müssen bestimmte Maschinen
fortwährend ihre Energiedaten offenbaren:
Nur was messbar ist, lässt sich nachhaltig

verbessern. So setzen die Experten Senso-
ren ein, um beispielsweise den Strom- oder
Druckluftfluss in der Anlage zu erfassen.
Die ausgelesenen Betriebs- und Ver-
brauchsdaten der ausgerüsteten Maschine
werden verdichtet in das Produktionsnetz-
werk eingebunden und schließlich visuali-
siert

Natur und Umwelt
Eine ganz unmittelbare Maßnahme zur Res-
sourcen- und Umweltschonung ist die
Rückgewinnung von Regenwasser  Der
Neubau verfügt über ein Reservoir mit
einem Fassungsvermögen von 70 000
Litern  Darüber werden die sanitären Anla-
gen versorgt und die Grünanlagen bewäs-
sert  Überschüssiges Regenwasser wird zur
Versickerung in ein Rückhaltebecken gelei-
tet, damit die Körsch, der zweitgrößte Fluss

Stuttgarts, im angrenzenden Naturschutz-
gebiet nicht überschwemmt wird  Für einen
optimalen Lärmschutz minimierten die
Akustikplaner die Schallabstrahlung durch
gezielte Baumaßnahmen. Mitarbeiter profi-
tieren davon in den Gebäuden, Anwohner
außerhalb des Fabrikgeländes

» Bei der Planung der Gebäudetechnik war ich von

Anfang an eingebunden  Erfahrungswerte aus anderen
Produktionsstandorten sehe ich heute konkret um-

gesetzt  Außerdem erleichtert uns die neue Leitzentrale
die Arbeit: Per Smartphone oder Tablet kann ich
einschätzen, wann und an welcher Stelle Not am

Mann ist «

Michael Höschele, Gebäudetechnik

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„ZUSAMMEN.WIRKEN“ bedeutet

•  Wir handeln als Vorbild

•  Wir bringen Leistung

•  Wir erarbeiten uns den Erfolg

•  Wir treffen gute Entscheidungen

•  Wir kommunizieren direkt

•  Wir stärken Teamgeist und Motivation

»  Als Meister mit langjähriger Führungserfahrung habe

ich vor ein paar Monaten bei Festo angefangen
Ich verantworte die Montage komplexer Ventilinseln.
Erste Qualifi zierungen, in denen Unternehmens‑
grundsätze, aber auch andere Inhalte vermittelt wer-
den, habe ich bereits absolviert  Dazulernen und
Weiterbilden sind bei uns selbstverständlich «

Michael Bechtle, Leitung Montage MPA Ventilinseln

Wenn Menschen an einem Strang ziehen, können sie am Arbeits-
platz viel bewirken  Dafür brauchen sie ein ausgeprägtes Gemein-
schaftsgefühl und müssen sich im Berufsalltag wohlfühlen  Beides
lässt sich jedoch weder verordnen noch erwerben  Nur gelebte
Werte schaffen die Voraussetzung für eine funktionierende
Gemeinschaft  Das Familienunternehmen Festo bietet allen Mitar-
beitern ideale Arbeitsbedingungen in einer Kultur der Wertschät-
zung

Flexibel und motiviert
Die einzelnen Teams der Technologiefabrik verfügen über persönli-
chen Freiraum innerhalb defi nierter Leitplanken. Produktqualität,
Kundenorientierung, Lieferzuverlässigkeit und Kostenoptimierung
bilden übergeordnete Werksziele und stehen als zentrale Kennzah-
len für alle Bereiche  Als Teil der Gemeinschaft berücksichtigen die
einzelnen Teams dabei die Schnittstellen zu anderen Abteilungen
So kann die Fabrik als Ganzes schneller auf Kundenbedürfnisse
reagieren

Offen informieren
Der wichtigste Kommunikationskanal trägt Schuhe  Oder anders
gesagt: Wenn Menschen sich austauschen und gut informiert sind,
wird vieles möglich  Zur kontinuierlichen Produktivitätssteigerung
der Technologiefabrik sind die Leistung und der Beitrag jedes
Beschäftigten wichtig  Durchdachte Weiterbildungskonzepte erlau-
ben individuelle Fördermaßnahmen und Personalentwicklungen

Lichte Zeiten
Licht wirkt positiv auf Produktivität, Motivation, Stimmung, Kogni-
tion und Schlaf. Vor diesem Hintergrund haben die Experten von
Festo in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirt-
schaft und Organisation ein gesundheitsförderndes Beleuchtungs-
konzept umgesetzt  Es orientiert sich an der natürlichen Sonnen-
einstrahlung, die sich im Lauf des Tages von kühlem und hellem zu
warmem und dunklerem Licht verschiebt  Wird künstliches Licht
benötigt – etwa vor und nach der Dämmerung, bei trübem Wetter
oder im Winter –, werden zwei Lichtfarben miteinander gemischt

Werte, Kultur und Gemeinschaft
»ZUSAMMEN WIRKEN« lautet das Motto der Technologie-
fabrik: Nur gemeinsam lassen sich Ziele erreichen

Festo AG & Co  KG

22

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»  Ich arbeite gerne an Schnittstellen zwischen unter-

schiedlichen Bereichen  Nach meiner Ausbildung war
ich selbst als Elektronikausbilderin tätig und habe mich
dabei noch zusätzlich qualifiziert. Festo hat mich bei
meiner Weiterentwicklung immer unterstützt –
ich bin schon mein ganzes Berufsleben lang hier «

Claudia Schäfer, Arbeitsvorbereitung Produktion Elektronik

Die Mitarbeiter finden in der Früh‑ oder Spätschicht auf Arbeits-
höhe eine Beleuchtung vor, die ihrem natürlichen und tageszeitli-
chen Biorhythmus entspricht  Darüber hinaus besitzt die Technolo-
giefabrik große Fensterflächen und Oberlichter, so dass alle Mitar-
beiter natürliches Tageslicht um sich herum wahrnehmen

Ergonomie und Bewegung
Festo will physische Belastungen der Mitarbeiter grundsätzlich auf
ein Minimum reduziert wissen  Die Arbeitsplatzbedingungen in
der Fabrik wurden daher unter ergonomischen Aspekten wissen-
schaftlich analysiert und bewertet – sowohl in den Büros als
auch insbesondere in der Montage  So gibt es heute unter ande-
rem höhenverstellbare Arbeitsplätze für rückenschonendes
Arbeiten  Die betriebliche Gesundheitsförderung bietet den Mitar-
beitern eine Vielzahl an Möglichkeiten an, etwa Fitnesskurse,
Yoga, Rückenschule, Nordic Walking oder eine Kurzentspannung
während der Mittagspause  Spezielle Ernährungsworkshops
vervollständigen das Angebot

Entspannt und produktiv
Um produktiv zu bleiben, braucht der Mensch Erholungszeiten  Für
angenehme Arbeitspausen können die Mitarbeiter zwischen klei-
neren Kaffee-Ecken, Pausenräumen und der zentralen Cafeteria im
lichtdurchfluteten Atrium wählen. Das Atrium dient den Werksan-
gehörigen aller Ebenen zugleich als Treffpunkt und Kommunikati-
onsplattform – ob Mitarbeitern aus Büro oder Produktion  Bei
schönem Wetter können sie zudem die beiden großzügigen Dach-
terrassen des Gebäudes genießen  Sind alle Puzzleteile des
Arbeitsumfelds vom Faktor Mensch über die Gesundheit bis hin
zum Wohlbefinden stimmig zusammengefügt, lässt sich die Pro-
duktivität nachhaltig steigern

Technologiefabrik Scharnhausen: Werte, Kultur und Gemeinschaft

23

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Auf Augenhöhe
Mit zunehmender Distanz sinkt die Kommu-
nikation oder umgekehrt formuliert: Von
Angesicht zu Angesicht sind Dinge leichter
besprochen, Fragen schneller geklärt und
Folgeschritte früher abgestimmt  Die Büro-
bereiche der Technologiefabrik sind deswe-
gen bewusst in die jeweiligen Produktions-
ebenen integriert  Sie sind mit moderner,
einheitlicher Medientechnik und Kommuni-
kationszonen ausgestattet  Durch die gene-
rell offene Gestaltung lässt sich bereits per
Blickkontakt erkennen, ob ein gewünschter
Gesprächspartner verfügbar ist  Die klassi-
schen Besprechungsräume sind ebenfalls
unmittelbar einzusehen  Mitarbeiter kön-
nen zudem das Atrium mit der zentralen
Cafeteria, diverse Bereiche mit Stehtischen
oder kleine Teeküchen zur kurzen Abstim-
mung nutzen

Voller Inspiration
Die Unternehmenswerte vor Augen mach-
ten sich die Experten von Festo zunächst
Gedanken über den Entstehungsprozess
von Innovationen  Ihre Ideen und Antwor-
ten setzten sie dann in ein ausgefallenes
Raumkonzept um: vier bewusst gestaltete
Ideenschmieden mit individuellem Charak-
ter  Der grüne, rote, blaue und schwarz-
weiße Raum sind in Form einer schnecken-
förmigen Muschel um einen kleinen, aber
zentralen Kaffeebereich angeordnet  Sinn-
stiftendes Vorbild für die geometrische
Anordnung sind die Fibonacci-Zahlen
(1, 1, 2, 3, 5, 8, 13   )  Summiert ergeben
zwei benachbarte Zahlen die jeweils
nächste  Wird die Folge mithilfe von Quad-
raten grafi sch dargestellt, ergibt sich ein in
der Natur häufi g wiederkehrendes Muster.
Es lässt sich unter anderem bei Schnecken-

01

Raum für Kreativität
Bereichsübergreifend agieren: durchdachte Kommu-
nikations- und Raumkonzepte für intensive Kooperation,
effektives Arbeiten und einfachen Austausch

24

Festo AG & Co  KG

Innovation bedeutet Erneuerung – auch im
Hinblick auf die Schaffenskraft von Men-
schen  Die Technologiefabrik bietet zur Ins-
piration im Berufsalltag atmosphärische
Arbeitsräume, sogenannte Ideenschmie-
den. Darüber hinaus haben die Experten in
der gesamten Fabrik eine Fülle räumlicher
Gegebenheiten wie Besprechungsecken
oder das zentrale Atrium geschaffen, damit
sich die Mitarbeiter spontan austauschen
können  Kommunikation muss sofort und
vor allem direkt stattfi nden, um über den
eigenen Bereichshorizont hinauszuwach-
sen  Nur so können sich Spezialisten aus
Forschung, Entwicklung, Informationstech-
nologie, Produktion, Einkauf, Controlling,
Lieferantenbetreuung, Personalwesen oder
Umweltmanagement zielgerichtet vernet-
zen, um für Festo und die Kunden gemein-
sam einen Mehrwert zu schaffen

Vier Ideenschmieden

•  Interaktive Medienwände

•   Temporäre  Arbeitsplätze

•   Nachdenk- und Rückzugszonen

•   Individuelle  Besprechungsbereiche

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02

02  Durch die offene Gestaltung der
Technologiefabrik können sich Mitar-
beiter spontan austauschen

01  Das Raumkonzept der Ideen-
schmieden fördert im Berufsalltag die
Kreativität

25

Technologiefabrik Scharnhausen: Raum für Kreativität

» Als Team für Neuheitenmanagement bilden wir bei

Festo eine Schnittstelle zu vielen Unternehmens-
bereichen  Wir sind eine Art Sprachrohr zu ihnen und
entwickeln gemeinsam tolle Produkte  Für mich
besteht der besondere Reiz darin, durch mein Wirken
ein fortschrittliches Werk wie die Technologiefabrik
mit aufbauen und gestalten zu können «

Michael Straub, Neuheitenmanagement Produktion Scharnhausen

tise frühzeitig in Prozesse mit ein  Ent-
wicklungszeiten für neue Produkte wer-
den verkürzt  Eine stimmige Kommunika-
tion ist die Voraussetzung für eine effizi-
ente und zugleich angenehme Projektar-
beit  Greifen alle Produktionsstufen bei
Festo harmonisch ineinander, lässt sich
ein Optimum aus Kosten, Qualität und
Lieferfähigkeit erreichen

häusern, Muscheln, Blüten oder Zapfen
beobachten  Darüber hinaus steht die Fibo-
nacci-Folge in mathematischem Zusam-
menhang mit dem sogenannten Goldenen
Schnitt  Er wurde in der griechischen Antike
als Prinzip für Schönheit und Ästhetik for-
muliert

Gedankenwelten
Die Ideenschmieden begünstigen einen
gedanklichen Moduswechsel im Alltag  Sie
bieten Rückzugsmöglichkeiten und ge-
schützte Bereiche  Gruppendynamik, Intui-
tion und Inspiration entfalten dadurch erst
ihre volle Wirkung  Paten kümmern sich um
ihren jeweiligen Raum sowie um dessen
Vergabe  An interaktiven Medienwänden
können mehrere Menschen gleichzeitig wir-
ken und sich per Videokonferenz weltweit
mit anderen Standorten vernetzen  Damit

wertvolle Gedanken nicht verloren gehen,
können die Teams ihre erarbeiteten Materi-
alien in den Ideenschmieden aufbewah-
ren – Erinnerungen brauchen Orte  Meta-
planwände mit Notizen, Zeichnungen,
Hefte oder Modelle lassen sich geordnet
unterbringen, so dass Arbeitsprozesse zu
einem anderen Zeitpunkt an derselben
Stelle fortgeführt werden können

Auf Zuruf
Neben temporär nutzbaren Arbeitsplätzen
im Ambiente der Ideenschmieden befinden
sich in den Büros der Technologiefabrik
auch Langzeitarbeitsplätze: Kollegen ande-
rer Unternehmensbereiche können ihren
Arbeitsort individuell in die Technologie-
fabrik verlegen, etwa für Projekte  Wenn
sich Entwickler vor Ort mit Spezialisten für
Produktion abstimmen, fließt deren Exper-

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Festo AG & Co  KG

Bildung und Wissen stellen einen wesentlichen Bestandteil der
Unternehmenskultur von Festo dar  Individuelles Lernen begleitet
den Berufsweg jedes einzelnen Mitarbeiters  Bei der Planung des
neuen Werkes entwickelte das Projektteam zusammen mit Festo
Didactic das innovative Konzept der Lernfabrik  Zielsetzung war es,
diese Lernkultur direkt und unmittelbar in die Abläufe der Techno-
logiefabrik zu integrieren

Training im Arbeitsalltag
Praktisches Lernen am Arbeitsplatz oder theoretisches Lernen im
Schulungszentrum: Beides kann an Grenzen stoßen, wenn der
Produktionsablauf dadurch gestört wird oder der Mitarbeiter nicht
entbehrlich ist  Diese Lücke schließt die zentral in das Werk in-
tegrierte Lernfabrik  Pilottrainings, Produktschulungen oder Pro-
zessqualifizierungen sind in der Technologiefabrik während des
Arbeitsalltags jederzeit möglich – vollkommen flexibel in Bezug
auf Dauer, Inhalt oder beteiligte Personen

Raum zum Lernen
Auf einer Fläche von 220 Quadratmetern sind in der Lernfabrik vier
Bereiche untergebracht: die Raummodule für Zerspanung, für
Montage, für Querschnittsthemen und Prozesse sowie die Media-
thek mit PC-Lernplätzen  Anschlüsse für Strom, Druckluft und ans
Netzwerk stehen über abklappbare Medienspangen überall für die
Versuchsaufbauten zur Verfügung  Für einen optimalen Lerneffekt
sind die Lernstände mit Originalkomponenten und -software aus
der Produktion ausgestattet

Bewusstsein für Energie
Um Vorreiter in Sachen Energieeffizienz zu sein, wird in der Tech-
nologiefabrik ein bewusster Umgang mit Ressourcen gelebt  So
durchlaufen die Mitarbeiter in der Lernfabrik zum Beispiel eine
Schulung zur Energieeffizienz. Am Lernstand erleben sie, wie
Stromverbrauch und -preis steigen, wenn ein voller Wasserkocher
statt der benötigten Menge für eine einzige Tasse erhitzt wird  Bei

Lernen als Selbstverständnis
Mitarbeiter qualifizieren und bilden sich praxisnah und
bedarfsorientiert weiter: die Lernfabrik als integraler
Bestandteil der Technologiefabrik

»  Beim Aufbau der Lernfabrik war ich bereits im ersten

Ausbildungsjahr zur Mechatronikerin voll involviert
Dabei hatten wir als Auszubildende viel Freiraum
Eigeninitiative war erwünscht und unsere Ideen wur-
den aufgenommen  Neben organisatorischen Aufgaben

haben wir eine Glasbox zum Training für effizienten
Drucklufteinsatz aufgebaut «

Leonie Müller, Mechatronikerin in Ausbildung

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27

Technologiefabrik Scharnhausen: Lernen als Selbstverständnis

zwei Tassen Tee an 250 Arbeitstagen für 200 Mitarbeiter lässt sich
das leicht hochrechnen  Dazu kommen die längere Wartezeit bei
vollem Wasserkocher und vielleicht auch das verworfene Wasser
Darüber hinaus werden Einsparmöglichkeiten bei der täglichen
Verwendung von Druckluft geschult  Den Mitarbeitern wird
bewusst, wie viel Druckluft bei der Entlüftung von Schläuchen ver-
loren geht, so dass sie ein Auge für optimale Schlauchlängen ent-
wickeln  Die praktische Übung vervollständigt die Visualisierung
der Verbrauchsbeispiele: Mithilfe einer Box aus Plexiglas lernen
Mitarbeiter, wie sie Bauteile energiesparend von Metallspänen rei-
nigen  Nicht immer führt ein höherer Druck auch zu einem besse-
ren Reinigungsergebnis

Willkommen heißen
Rund 400 Mitarbeiter – ob in Kurz- oder Langzeit, ob Ferienarbeiter
oder Ingenieure – beginnen in der Technologiefabrik pro Jahr ihre
Arbeit  Im vierzehntägigen Rhythmus starten alle gemeinsam in

der Lernfabrik mit einem eineinhalbstündigen Einführungstraining
Sie erhalten einen Überblick zu allgemeinen Themen wie Qualität,
Energie, Sicherheit, Empfi ndlichkeit von Bauteilen, Werkstandards
oder Pausenzonen  Ein Augenmerk liegt dabei auf der Fehlerkultur
von Festo: Die Neueinsteiger sollen Offenheit in Bezug auf Fehler
entwickeln, um motiviert und selbstständig arbeiten zu können

Trainingskatalog
Da die Lernfabrik als Prozessbegleiter der Technologiefabrik konzi-
piert ist, benennen Führungskräfte und Mitarbeiter einmal pro Jahr
potenzielle Lernthemen  In individuellen Steckbriefen werden Lern-
ziele, Personenzahl, Trainer, Dauer, Wiederholungen und die
gewünschte Methodik einer Schulungsmaßnahme formuliert  Ziel
ist ein standardisierter, aber fortlaufend aktualisierter Trainings-
katalog  Bislang sind rund 90 unterschiedliche Schulungsinhalte
defi niert. Nachdenken und Hinterfragen sowie Offenheit und Neu‑
gierde gehören zum Grundverständnis von Festo

01  In den Räumen der Lernfabrik fi nden
vor Ort praxisnahe Schulungen statt.

01

Konzept Lernfabrik

•  Kurze Schulungszeiten im Alltags-

betrieb

•  Standardisierte und fl exible Trainings

•  Lernstände mit Originalkomponenten

•  Systematischer Trainingskatalog

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50119 de 09/2015

Festo AG & Co. KG

Technologiefabrik
Scharnhausen
Plieninger Straße 50
73760 Ostfildern
Germany
www festo com/
technologiefabrik